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Dark Wave in Reinkultur

Clan of Xymox

(c) Zillo 5/99
Markus Fürgut

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"Guten Tag. Ich hätte gern ein richtig schönes düsteres Wavealbum. Aber bitte keine öde Gothicmetalproduktion." Mit ungläubigem Gesicht schaut der Verkäufer des Plattenladens den Kunden an, der diesen scheinbar harmlosen Wunsch geäußert hat. Was soll er tun? Keine Angst, da wird ihm geholfen. Worauf viele Fans dunkler Klänge schon lange gewartet haben, erblickt nun endlich das Licht der Welt. "Creatures", das neue Album der holländischen Wavelegende Clan Of Xymox, erfüllt den oben geäußerten Anspruch auf perfekte Art und Weise.

Gleich der erste Song "Jasmine and Rose" entpuppt sich als treibender Gothic- Rock- Song. Angereichert mit tiefem Gesang, werden Erinnerungen an das beste Sisters- Of- Mercy- Album "First And Last And Always" geweckt. "Witzig", erzählt ein gut gelaunter Clan- Of- Xymox- Mastermind Ronny Moorings, "Dasselbe hat unsere Plattenfirma auch gemeint, als sie das Album zum ersten Mal gehört haben. Allerdings sind solche Gemeinsamkeiten reiner Zufall. Ich würde nie auf die Idee kommen, The Sisters Of Mercy zu kopieren. Ich sehe eher eine gewisse Artverwandtschaft mit Robert Smith von The Cure." Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Fest steht jedenfalls, dass man weitaus melancholischer zu Werke geht, als auf dem Vorgänger "Hidden Faces". War dieser noch von einer Mischung aus schnellen Wavesongs wie "Out Of The Rain" und einigen Electro- Smashern geprägt, ist "Creatures" sehr kompakt ausgefallen. Das Geschehen spielt sich auf einer einzigen Gefühlsebene ab. "Dem kann ich voll zustimmen", sagt Moorings. "Es war ein ganz natürlicher Weg, dieses Album zu schreiben. Jeder Titel komplettiert den nächsten. Es ist, als ob sie ineinander übergehen würden.. Von den ersten Demos bis zu den fertigen Stücken war es ein einfacher Weg. Großartige Änderungen waren nicht nötig. Deshalb habe ich das Werk ohne einen Produzenten aufgenommen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist nämlich eine vollkommen überproduzierte CD, die gut klingt, aber keine Seele hat. Bei 'Creatures' ist das sicher nicht der Fall. Es spiegelt zu 100 Prozent meine Stimmungslage wider." In welchem Zustand sich der Clan- Of- Xymox- Mastermind während der Aufnahmen befand, ist unschwer zu erraten. Wunderschöne Dark- Pop- Songs erzählen Geschichten von Liebe und Leid. Besonders "Consolation" und "Falling Down" sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen." In 'Falling Down' bearbeite ich eine zehn Jahre zurückliegende Beziehung. manchmal macht man Fehler, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Erst, als es zu spät war, habe ich gemerkt, was mir die andere Person bedeutet hat", erzählt er mir mit traurigem Unterton. In die gleiche Richtung zielt "Doubts". "Zweifel habe ich immer, wenn es um Liebe geht. Wird die neue Beziehung Glück oder Tränen bringen? Vor der Antwort auf diese Frage habe ich immer wieder Angst. Ich weiß nur eins, ich möchte nicht verletzt werden.", sagt Ronny, und offenbart sein sensibles Wesen. So ist es kein Wunder, dass man auf 'Creatures' keine einzige fröhliche Melodie findet. Den Dark- Wave- Fan freut das natürlich. Schließlich entspricht ein gesundes Maß an Melancholie dem Geist der schwarzen Szene. "Das ist sicher richtig. Ich habe allerdings keine Bibel mit den zehn Geboten für den richtigen Gothic- Lebensstil. Auf Dinge wie ständig brennende Kerzen, Friedhofsbesuche oder schwarze Messen kann ich in diesem Zusammenhang verzichten. Es geht darum, wie man auf andere Leute und die Gesellschaft wirkt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die jeden Tag mit lachendem Gesicht ihre Umwelt tyrannisieren. Urlaub an der Costa del Sol, um sich das Gehirn zu verbrennen, gehört meiner Meinung nach auch nicht zu dieser Lebensphilosophie. Für mich ist es von großer Bedeutung, über Dinge nachzudenken und auch einmal traurig sein zu können." definiert Moorings treffend den Gothic Lifestyle. Deshalb ist es Clan Of Xymox auch sehr wichtig, dass ihre Fans nicht nur zu ihren Klängen tanzen, sondern sich ebenfalls mit den Texten beschäftigen. Direkte Resonanz zu erfahren, findet man besonders gut. "Durch das Internet hat man die Möglichkeit, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Man Kann seine Gedanken preisgeben und bleibt, wenn man will, trotzdem anonym. Das finde ich sehr gut. Es gibt allerdings noch mehr Vorteile durch dieses Medium. Wenn wir irgendwo gespielt haben, wissen wir am nächsten Tag schon, ob das Publikum Spaß hatte."
 Ein dunkles Hörvergnügen ist mit "Creatures", der besten Dark- Wave- Platte der letzten zwei Jahre, sicher garantiert. Wenn Ronny Moorings und Co. diese Stimmung auf ihrer Welttournee reproduzieren können, wird es nur positive e- mails geben!

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