
| Clan of Xymox
Dennis Wollnik English translation will be coming soon |
Interviews mit Künstlern, deren
Biographien bereits mehrere Heftseiten füllen könnten, sind gelegentlich
ein Vabanquespiel. Zumindest gilt es stets auszuloten, inwieweit die
Bereitschaft vorhanden ist, auch schon mal alte Geschichten aufzuwärmen,
insbesondere, wenn weniger erfreuliche Geschehnisse thematisiert werden.
Ganz unverständlich ist es sicher nicht, dass manche Musiker solche
Fragen hin und wieder abblocken, schließlich haben die meisten in diesen
Momenten ein neues Album im Gepäck, über das sie in der Regel weitaus
lieber reden. Dennoch ist es mitunter notwendig, ein bisschen Licht in die
Vergangenheit zu bringen, um gewisse Entwicklungen zu reflektieren. Ronny
Moorings hat diesbezüglich zwar stets bereitwillig Auskunft erteilt, die
ganz große Plaudertasche war auch allerdings er nicht immer, wenn das
berühmte Nähkästchen aus der Ecke gekramt werden sollte. Daher lag
lange Zeit so manches Ereignis in der bewegten Historie von Clan of Xymox
verborgen, beinhalten zum Beispiel die Booklets der Alben doch oft nur
spärliche Informationen. Vieles hat Ronny seit dem Comeback im Jahre 1997
offengelegt und richtiggestellt, doch das Re-Release der LP "Subsequent
Pleasures" der ersten Clan of Xymox- Veröffentlichung von 1984,
haben wir prompt zum Anlass genommen, um an einigen Stellen noch mal ein
wenig genauer nachzufragen. Und siehe da, von ein paar interessanten
Details wusste ein ausgesprochen mitteilsamer Ronny tatsächlich noch zu
berichten- aber lassen wir ihn die ganze Geschichte doch am Besten einfach
selbst erzählen:
""Ich habe schon früh angefangen, mich für Musik zu interessieren. Und auf das Interesse folgte schnell das Verlangen, selbst kreativ zu werden. Die ersten wirklich nennenswerten Gehversuche unternahm ich Anfang der Achtziger Jahre, als ich das nötige Equipment beisammen hatte, allerdings noch nicht unter dem Namen Clan of Xymox. Gemeinsam mit meiner Freundin Anka Wolbert am Bass präsentierte ich meine ersten Tonaufnahmen bereits damals sogar einige Male live vor Publikum. Aus diesen Aktivitäten heraus entstand 1983, während meines Studiums in Nijmegen, Clan of Xymox. Der Begriff Xymox leitet sich übrigens von den englischen Wort "zymotic" ab, das eine infektiöse Krankheit beschreibt...." Anfang 1984 verschlug es Anka und Ronny nach Amsterdam..... "Dort spielten wir in unserem Wohnzimmer mit Hilfe eines transportablen Vierspurrekorders die fünf Songs für Subsequent Pleasures in Echtzeit ein. Neben dem von Anka gesungenen Track "Call it weird" waren das die Stücke "Going round", "Muscoviet Mosquito", "Strange 9 to 9" und "Abysmal Thoughts". Da wir ja noch kein Label hatten, gründeten wir kurzerhand selber eines und nahmen sowohl die Fertigung als auch den Vertrieb der EP in die eigenen Hände. Ich arbeitete damals nebenher bei einem Radiosender in Amsterdam und so reichte unser Geld gerade aus, um 500 Exemplare herzustellen, die sich jedoch erstaunlich schnell absetzen ließen: 150 Stück übernahm ein Händler aus Deutschland, weitere 150 Kopien gingen nach Frankreich, 100 Exemplare kaufte Rough Trage in England, und mit dem Rest zog ich durch die Plattenläden in Holland..." Bei einem dieser Streifzüge machte Ronny schließlich eine schicksalhafte Bekanntschaft... "Ich war schon den halben Tag durch Nijmegen gelaufen und suchte zum Mittagessen das nächstbeste Restaurant auf. Am Nachbartisch saßen eine Frau und ein Mann, mit denen ich schnell ins Gespräch kam. Sie stellten sich als Brendan Perry und Lisa Gerrard vor und erzählten mir, dass sie ebenfalls Musiker wären und das erste Album ihrer Band Dead Can Dance demnächst beim englischen Label 4AD erscheinen würde. In der Stadt seien sie, um am Abend bei einem Konzert der Cocteau Twins das Vorprogramm zu bestreiten und versprachen, mich auf die Gästeliste zu setzen. Ich ging natürlich hin, und nach der Show trafen wir uns hinter der Bühne, wo ich Ihnen zum Abschied noch ein Exemplar von Subsequent Pleasures in die Hand drückte. Ich hatte mir eigentlich nichts weiter davon versprochen, doch einige Wochen später rief Brendan mich tatsächlich an und fragte, ob wir sie nicht auf ihrer anstehenden Tour durch England begleiten wollten..." Ronny sagte natürlich sofort zu... "Mittlerweile war Pieter Nooten, ein ehemaliger Zimmergenosse aus Studienzeiten, zu uns gestoßen und nahm die Position an den Keyboards ein. Zu dritt hatten wir innerhalb von zwei Tagen sechs weitere Demos aufgenommen, und zwar die Songs "A Day", "Stumble and Fall", "No Words", "Starnger", "Equal Ways" und "7th Time". Mit einigen Konzerten in Holland und einem Gig in Paris bereiteten wir uns auf den Support von Dead Can Dance vor, durch den die Leute von 4AD auf uns aufmerksam wurden. Nach unserer Rückhehr aus England erklärte Pieter jedoch- desillusioniert vom harten Tourleben im VW- Bus- zunächst seinen Ausstieg aus der Band. Er wurde ersetzt durch Frank Weyzig, den ich in dem Studiokomplex kennen gelernt hatte, in dem auch unser Proberaum lag. Als dann allerdings auf einmal ein Vertragsangebot von 4AD bei uns auf dem Tisch landete, stand Pieter kurze Zeit später vor unserer Tür und bat darum, wieder mitmachen zu dürfen. Er rückte fest ins Glied zurück, und Frank unterstütze uns fortan vor allem bei unseren Live-Auftritten. Einige Wochen später gingen wir für zehn Tage ins Studio, produzierten die sechs Demos aus, ergänzten die beiden Stücke "Cry In The Wind" und "No Human Can Drown" und veröffentlichten so unser erstes Album bei 4AD..." Bereits das Debut brachte 1985 den Durchbruch, und mit den nachfolgenden Langspielern "Medusa" (1987) und "Twist Of Shadows" (1989) feierte man sowohl in Europa wie auch in den USA große Erfolge. Nach "Phoenix" (1991) kehrten Anka und Pieter der Band zwar endgültig den Rücken, und Ronny musste mit "Metamorphosis" (1992) und "Headclouds" (1993) erst einmal kleinere Brötchen backen, doch die Platten "Hidden Faces" (1997), "Creatures" (1999) und "Live" (2000) bescherten ihm schließlich ein furioses Comeback. Schon in den Achtziger Jahren wurde mit dem immensen Popularitätsanstieg das Interesse der Fans beinahe zwangsläufig auf die längst vergriffene EP von 1984 gelenkt. Es entstand ein unglaublicher Kult um "Subsequent Pleasures", in dessen Raubkopien und erst recht natürlich das Original zu wahren Wucherpreisen gehandelt wurden. Doch erst 1994, zehn Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinen, entschloss sich Ronny dazu, die Platte - zusammen mit den Demos des Debutalbums - bei dem holländischen Label Pseudonym Records erstmals offiziell auf CD herauszubringen. Inzwischen ist auch diese Scheibe vom Markt, und mit dem abermaligen Re-Release bei Pandailectric bietet sich nun jedem Fan noch einmal die Möglichkeit, seine Sammlung zu komplettieren. Wer allerdings noch immer darauf spekuliert, das Vinyl zu erwerben, sollte lieber schon mal anfangen zu sparen: gar selten wird es bei einem der diversen Auktionshäuser im Internet zum Verkauf angeboten und wechselt da in der Regel für 500 bis 1000 Mark den Besitzer... |