| Clan of Xymox
(c) Orkus
1997
Dennis Wollnik
|
"Clan of Xymox? 'kenn ich gar
nicht", erklärt mir Ines, Piercing- Expertin, des Kölner Gothic-
Shops Art of Dark, dessen Hinterzimmer an diesem Samstagnachmittag als
Treffpunkt für ein Interview mit Ronny Moorings, Kopf und Herz der
holländischen Kultband, vereinbart wurde. Ungläubig blicke ich von dem
Diktiergerät auf, dass ich wohl zum mittlerweile zehnten Mal auf seine
Funktion hin überprüft habe, und beginne einen mehrminütigen Vortrag (
wer mich kennt, weiß, was das bedeutet), in dessen Verlauf ich meine
Verehrung für diese Gruppe kaum verbergen kann. Zwanzig Minuten später
stehe ich kettenrauchend vor dem Laden und frage mich in Folge der langsam
etwas beunruhigenden Verspätung, ob meine Wegbeschreibung wohl genau
genug gewesen ist, als plötzlich fünf schwarzgekleidete Gestalten um die
Ecke biegen. Ein sympathischer und erstaunlich jugendlich wirkender Mann
tritt aus der Gruppe heraus: "Hi, I'm Ronny..... and this is the clan."
Aufgrund des sonnig- warmen Wetters beschließen wir, das Interview im
nahegelegenen Rathenaupark zu führen, und während der "Clan"
sich im Art of Dark die Zeit vertreibt, finden wir schnell ein schattiges
Plätzchen.....
Orkus:
Man hat lange- beinahe vier Jahre-
nichts mehr von Dir gehört.... was hast Du all die Zeit über getrieben?
Ronny: Nun, größtenteils habe ich neue Songs geschrieben... und
dabei versucht, die Sachen, die ich zuvor getan habe, zu vergessen.
Orkus:
Ehem.... wie darf man das jetzt verstehen?
Ronny: Ich muss zugeben, ich bin mit den letzten beiden
Veröffentlichungen "Metamorphosis" und "Headclouds"
nicht besonders glücklich gewesen... Wir hatten auf dem "Phoenix"-
Album erstmals Dancefloor- Elemente verarbeitet, und ich dachte damals, es
wäre eine Innovation, diese Einflüsse zu verstärken. Ich lebte zu jener
Zeit in London, und viele Bands in unserem Umfeld ließen sich von der
Rave- Bewegung mitreißen. An jeder Ecke dröhnte die Techno- Sound
entgegen, und Leute erzählten dir die ganze Zeit nichts anderes, als das
Wave und Gothic "dated" sind und nur Dancefloor "trendy"
und "in" ist - wenn du das oft genug hörst, fängst du es
irgendwann an zu glauben. Ich wollte als Musiker niemals zu einem
Stillstand kommen, und deshalb versuchte ich, mich diesem Stil
anzunähern, ohne dabei jedoch unsere Wurzeln aus den Augen zu verlieren.
Ich denke, einige Songs sind auch gar nicht mal so übel. Aber alles in
allem war ich mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden und habe
schließlich die Lust daran verloren. Ich bin wieder nach Amsterdam
gezogen und habe die letzten vier Jahre dazu genutzt, mir darüber klar zu
werden, welche musikalische Richtung ich mit Xymox fortan einschlagen
wollte.....
Orkus:
Ich hörte aber, Du hast vor kurzem einen Soundtrack
aufgenommen- was hat es damit auf sich?
Ronny: Ja, er dient zur Untermalung eines Videospiels. Das hat aber
nicht viel mit dem zu tun, was ich normalerweise mit Xymox mache. Wenn man
beinahe vier Jahre keine Platte veröffentlicht, muss man halt zusehen,
woher die Kohle zum Leben kommt.
Orkus:
Bevor wir zum neuen Album kommen, würde ich gerne noch ein
wenig über Deine Vergangenheit reden. Du bist jetzt seit fast 15 Jahren
im Musikgeschäft; gib doch bitte- vor allem auch für diejenigen, die mit
Xymox bisher noch nicht so vertraut sind- einen kurzen Überblick über
die Deiner Meinung nach wichtigsten Stationen in der Xymox- Historie.
Ronny: Ich habe Clan of Xymox 1983 gegründet, 1984 nahmen wir eine
Vinyl- EP mit dem Titel "Subsequent Pleasures" auf. Kurz darauf
lernte ich Dead Can Dance nach einem ihrer Konzerte kennen. Da sie unsere
Musik mochten, fragten sie uns, ob wir sie nicht als Vorgruppe auf ihrer
nächsten Tour begleiten wollten. So kam dann auch der Kontakt mit 4AD (
das Label, bei dem DCD damals und auch noch heute unter Vertag stehen-
Anm. d.Verf.) zustande, und nachdem sie ein weiteres Demo von uns gehört
hatten, signten sie uns. Wir haben zwei Alben auf 4AD veröffentlicht:
"Clan of Xymox" 1985 und " Medusa" 1986. 1987 erschien
die Maxi "Blind Hearts", die sehr viel Erfolg im Amerika hatte
und damit mehrere Majorlabels auf uns aufmerksam machte. Schließlich
machte uns Polygram ein Angebot, dass wir nicht ausschlagen konnten. Wir
nahmen zwei Platten für Polygram auf, "Twist of Shadows" 1989
und "Phoenix" 1991. Es war das erste Mal, dass wir von Beginn an
mit einem Produzenten gearbeitet haben: es ist vor allem Peter Walsh, der
vorher auch schon für die Simple Minds tätig gewesen ist, zu verdanken,
dass unsere Musik damals ein wenig "cleaner" und damit
kommerzieller klang, als es sich einige Leute wohl gewünscht haben.
Danach schlossen sich dann die beiden Alben auf ZOK an, über die wir
gerade schon gesprochen haben...
Orkus:
Du hast jetzt sehr viel über Eure Veröffentlichungen
gesprochen, aber was ist mit den Leuten, die lange Zeit hinter Xymox
standen? In den 80ern waren neben Dir ja auch noch Anke Wolbert, Pieter
Nooten und mehr oder weniger Frank Weyzig.....
Ronny: Nein, das ist nicht ganz richtig so! Wir waren eigentlich zu
dritt: Pieter, Anke und ich. Frank war nur bei Live- Auftritten mit dabei
und hat nie einen Song für Xymox geschrieben. Aber es ist alles etwas
kompliziert mit dem Line- Up. Als wir zum Beispiel unser erstes Demo
aufnahmen, gehörte Pieter zur Band. Wir hatten aber noch keinen Vertrag,
und Pieter beschloss, bei Xymox auszusteigen. Als wir dann allerdings mit
4AD ins Geschäft kamen, stand er auf einmal wieder auf der Matte... 1987
wiederholte sich dieses Spielchen ( Pieter Nooten veröffentlichte in
diesem Jahr auf 4AD sein Solo- Album "Sleep With The Fishes" -
Anm. d, Verf.), und so ging das die ganze Zeit: Leute gingen, Leute
kehrten zurück und gingen wieder...
Orkus:
1991 gingen Pieter und Anke dann jedoch ohne
zurückzukommen- es kam zum Split...
Ronny: Ich würde nicht von einem Split sprechen. Wir waren nie
eine Band im herkömmlichen Sinne, d.h. drei Leute sitzen zusammen im
Proberaum und spielen solange vor sich hin, bis sie einen Song haben.
Normalerweise hat jeder für sich Stücke geschrieben, die er dann auch
gesungen hat. Letztendlich ist Xymox aber mein Baby, und ich war immer
hauptverantwortlich für die musikalische Richtung, in der wir uns bewegt
haben. Deshalb hat der Weggang von Pieter und Anke, zumal ihre Ziele mit
meinen eh nicht mehr übereinstimmten, gar keine so große Rolle gespielt.
Das ganze Bandgefüge ist vergleichbar mit dem von The Cure: Es gab viele
Veränderungen innerhalb der Gruppe, doch solange Robert Smith Songs
schreiben wird, solange wird es auch The Cure geben....und ich denke, dass
mir die Leute, mit denen ich jetzt zusammenarbeite, wieder den richtigen
Input geben.
Orkus:
Du sagtest vorhin, dass Du mit Deiner Musik niemals zu einem
Stillstand kommen wolltest- und es gab ja auch viele Veränderungen in der
Vergangenheit....Welchen Stellenwert nimmt Deiner Meinung nach das neue
Album "Hidden Faces" in der Xymox- Historie ein?
Ronny: Es ist eine logische Weiterführung der Musik, wie wir sie
auf unseren ersten beiden Platten gespielt haben... das ist auch einer der
Gründe, warum wir uns jetzt wieder Clan of Xymox nennen (nach dem Weggang
von 4AD wurden alle darauf folgenden Alben unter dem Namen "Xymox"
veröffentlicht. Anm. d.Verf.). Es soll keine Kopie unseres damaligen
Sounds sein - aber trotzdem musikalisch daran anschließen.
Orkus:
Ich muss zugeben, als ich das Album zum ersten Mal gehört
habe, war ich vor allem von der stilistischen Vielfalt beeindruckt: Es
kommt mir so vor, als hättest Du von Wave und Gothic bis hin zu
Dancefloor und Pop die verschiedenen Einflüsse der bisherigen Xymox-
Veröffentlichungen auf "Hidden Faces" zu einem einheitlichen
Stil verschmelzen lassen....
Ronny: Das ist ein großes Kompliment für mich. John Rivers und
Dave Allen, die das Album ja produziert haben, haben dasselbe gesagt, was
auch meine Meinung von gerade eben untermauert: auf der einen Seite sollte
es keine Wiederholung unseres Sounds aus den 80ern sein, auf der anderen
Seite finden sich Dancefloor- Elemente in den Songs, ohne dass sie nach
Techno klingen. Ich bin immer bemüht, neue Einflüsse auf meine Musik
einwirken zu lassen und Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu
betrachten. Musik bzw. Kunst im allgemeinen sollte sich nie innovativen
Aspekten gegenüber verschließen oder in eindimensionalen Bahnen
verlaufen - ansonsten wird es schnell langweilig.
Orkus:
Was sind für Dich die wichtigsten und vielleicht auch
persönlichsten Songs auf dem Album?
Ronny: Ich denke, das sind vor allem "It's All A Lie"....
Orkus:
.... oh, das ist mein Favourite....
Ronny: ... und die neue Version von "Going Round" - es
war ein komisches Gefühl, diesen Text nach dreizehn Jahren noch einmal
einzusingen.
Orkus:
Was hat Dich eigentlich dazu veranlasst, von diesem Titel
ein Remake aufzunehmen?
Ronny: Aus demselben Grund, aus dem wir auch eine neue Version von
"Muscoviet Mosquito" eingespielt haben (Zu finden auf dem 4AD-
Sampler "Lonely is an Eyesore" von 1987 - Anm.d.Verf.). Beide
Songs sind ja von der "Subsequent Pleasures" - die wir damals
auf einem tragbaren Vier- Spur- Recorder aufgenommen haben. Die EP war auf
500 Stück limitiert, und wir haben nicht erwartet, dass sich irgendwann
mal mehr Leute für diese Platte interessieren würden. Als nach unseren
ersten Erfolgen jedoch plötzlich Bootlegs auftauchten, habe ich gemerkt,
dass das Verlangen nach diesen Stücken wohl doch stärker ist. Also
beschloss ich, diese Songs noch einmal in einer besseren Klangqualität
aufzunehmen - ohne jedoch eine 1:1- Kopie anzufertigen-, um sie damit
einem größeren Publikum zugänglich zu machen.
Orkus:
Deine Texte kennzeichnen vor allem melancholische Statements
über Einsamkeit und zerbrochene Liebesbeziehungen. Bis Du denn wirklich
so "unlucky in love"?
Ronny (lacht): Nun ja, ich habe eine lange Hassliebe mit Anke
hinter mir....das ist wohl auch einer der Hauptgründe, weshalb sie nicht
mehr in der Band ist - und das spiegelt sich natürlich auch in vielen
Lyrics wieder. Inzwischen habe ich aber eine neue Freundin: Mojca, unsere
Bassistin, die auch "Hypocrite" auf dem Album singt...
Orkus:
...ach ne...
Ronny: Ja.... äh... das scheint bei mir immer so zu sein: Kaum
habe ich eine Freundin, Spielt sie auch schon in der Band...(grinst)...but
she's doing a good job....
Orkus:
O.K., soviel zu Deinem Liebesleben... wieder zurück zur
Musik: Was hörst Du denn selber gerne?
Ronny: Oh, sehr viel - von den meisten Gruppen hat aber
wahrscheinlich noch nie jemand was gehört... ich mag auch eine Menge Bands, die bei Tess unter Vertrag sind, wie zum Beispiel Faith And The
Muse und This Ascension.
Orkus:
Apropos Tess! Was waren eigentlich die Gründe für das
Verlassen von ZOK Rec., und warum hast Du gerade bei Tess unterschrieben?
Ronny: Also erst mal war der Labelmanger von ZOK die Inkompetenz in
Person. Außerdem habe ich eine Plattenfirma gesucht, die sowohl unsere
Musik als auch unsere Vergangenheit richtig einzuordnen weiß, ein Label,
das auch eine gewisse Ähnlichkeit mit 4AD hat.
Orkus:
Und warum...
Ronny: ...warum wir dann nicht zu 4AD zurückgegangen sind? Nun,
das gehört zu der Labelpolitik von 4AD. Es ist, wie wenn ein Junge das
elterliche Heim verlässt, und der Vater sagt: "OK mein Sohn, du
willst von zu Hause weg? Dann bist du von jetzt an aber auf dich alleine
gestellt!"
Orkus:
Was sind Deine Erfolgserwartungen bezüglich "Hidden
Faces"?
Ronny: Nun ja, schwer zu sagen. Normalerweise sollte man ja immer
eine gewisse Präsenz bewahren und nicht auf einmal für vier Jahre von
der Bildfläche verschwinden... ich glaube aber, dass noch genug Leute
unsere alten Songs kennen und mögen und deshalb auch neugierig auf das
aktuelle Album sein werden.
Orkus:
Weißt Du eigentlich, wie erfolgreich Eure vorherigen
Scheiben waren?
Ronny: Ja, die erfolgreichste war "Twist of Shadows" mit
mehr als 300.000 verkauften Einheiten weltweit, gefolgt von
"Phoenix" mit ca. 250.000. Die letzten beiden Alben konnten
daran leider überhaupt nicht anschließen.
Orkus:
Wie sieht's mit einer Deutschland- Tour aus?
Ronny: Ist geplant für den Spätherbst. Erstmal wird's wohl nach
Amerika gehen: da werden wir einige recht große Auftritte, u.a. auch in
Mexico spielen.
Orkus:
Ach? Ich habe gehört, ihr seit in Amerika beinahe
erfolgreicher als in Europa!?
Ronny: Könnte man so sagen. Wir haben zwar in Europa angefangen,
und die Leute kennen hier vor allem unsere ersten beiden Alben, seit
"Twist Of Shadows" sind wir aber auf dem amerikanischen
Kontinent so bekannt, dass wir dort inzwischen mehr und größere Konzerte
spielen als hier.
Orkus:
Du meintest vorhin, "It's All A Lie" wäre eines
der persönlichsten Stücke auf dem Album. Bitte noch ein letztes Wort zu
diesem Song!
Ronny: "It's All A Lie" ist ein Lied über die
Enttäuschung, die aus einer Liebesbeziehung heraus entstehen kann;
darüber, wie schmerzhaft es ist, wenn man sich auf den anderen nicht
verlassen kann. Ich denke, das ist eine Thematik, die jeder Mensch
unschwer nachvollziehen kann - insbesondere ich......
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Clan of Xymox
(c) Black Magazin 9/97
Thomas Wacker



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Once upon a time... ziemlich genau im Jahre 1984
gründeten zwei junge Musiker aus Nijmegen in den Niederlanden in ihrer
Heimat eine Band, deren Name auch heute noch zahlreiche Fans verzückt
aufhorchen läßt.
Anke Wolbert und Ronny Moorings riefen CLAN OF XYMOX ins Leben und legten
mit der Veröffentlichung der EP "Subsequent Pleasures" auf
ihrem eigenen Label einen recht beachtlichen musikalischen Grundstein, der
heute zu hohen Sammlerpreisen gehandelt wird und längst Kultstatus
erreicht hat... aus dieser Zeit stammt übrigens noch der Clubhit "Going
Round".
Zusammen mit Pieter Nooten wurden wenig später weitere Demos aufgenommen
und man gab zahlreiche Konzerte in den Niederlanden... durch Zufall traf
Ronny Moorings nach einem Konzert von Dead Can Dance auf Brendan Perry und
Lisa Gerrard, die damals noch als Support der COCTEAU TWINS auf Tour waren
und Ronny steckt Brendan ein Demo- Tape zu...
Auf diese Weise kam der Ball ins Rollen, der gar nicht lange Zeit später
fragte Brendan an, ob CLAN OF XYMOX nicht Lust hätten, den Support der
ersten DEAD CAN DANCE- Tournee zu übernehmen! Und ob sie Lust hatten! Im
Anschluss daran interessierte sich das englische Label 4ad plötzlich für
die Musik der Niederländer und ehe man sich versah, nahm man unter der
Regie von John Fryer das erste richtige Full- Time- Album mit dem Titel
"Clan of Xymox" auf, auf dem auch gleich zwei potentielle
Hits... nämlich "A Day" und "Stranger" ... zu finden
waren. Der zweite Longplayer "Medusa" (1986) bescherte den Fans
Knaller wie "Michelle" und "Louise" und machte CLAN OF
XYMOX ganz nebenbei auch über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Die
nächste EP auf 4ad "Blind Hearts" sorgte für Furore in den
Import Charts der USA und nach einer ausgedehnten US- Tour fragten die
ersten Major- Labels bei Ronny, Anke und Pieter an...
Auf Wing/ Polygram folgten schließlich 1989 unter dem Namen XYMOX
die Maxi "Obsession", das Album "Twist of Shadows" und
eine weitere Maxi mit dem Titel "Imagination", deren
Ausstrahlung und Arrangements für mich zu den Glanzleistungen dieser
Formation zählen. Jedoch blieb ein bitterer Nachgeschmack... nämlich die
Tatsache, dass CLAN OF XYMOX nach ihrem Wechsel zu einem Major- Label ein
wenig kommerzieller klangen und einen Teil ihrer anfänglichen
Individualität aufgeben mussten. Das hatte schließlich zur Folge, dass
sich einige Fans von dieser Band abwandten und "Twist of Shadows"
mehr oder weniger unbeachtet blieb!
Mit der Platte "Phoenix" versuchte man 1991 ein letztes Mal die
Fans wieder gütlich zu stimmen, doch auch dies schlug fehl, da das Album
alles andere als düster und wavig klang, so dass sich XYMOX splitteten und
getrennte Wege gingen. An dieser Stelle verliert sich auch die Spur von
Anke Wolbert und Pieter Nooten, von denen man seit dieser Zeit nichts mehr
gehört hat...
Ronny Moorings arbeitete dennoch weiter und meldete sich schon ein Jahr
später mit der Single "Dream On" und dem Album "Metamorphosis"
zurück. Das bis zu diesem Zeitpunkt eher unbekannte Label X-Ult/ZOK aus
England erhoffte sich mit dieser Veröffentlichung wohl einen großen
Erfolg, der jedoch auf Grund des poppig /housigen musikalischen Materials
ausblieb.. Voller Entsetzen mussten eingefleischte Fans erkennen, dass
Ronny seine Vorliebe für tanzbare groovige Einflüsse entdeckt hatte und
auf den fahrenden Zug der damals aktuellen Techno/ House- Welle
aufgesprungen war; und schon 1993 warf ZOK erneut ein Album von XYMOX
("Headclouds") auf den Markt, welches mir persönlich jedoch nie
unter die Finger geraten ist!
Zu diesem Zeitpunkt glaubte wohl längst niemand mehr an eine Rückkehr
der Wave- Heroen der 80er Jahre und die Wiederveröffentlichung der EP
"Subsequent Pleasures" als CD auf Pseudonym (Niederlande) nahmen
viele eher als kleines Trostpflaster war. Dennoch erinnert man sich in
unseren Kreisen immer wieder gerne an die Vergangenheit dieser
Formation....lauscht andächtig den großen Hits "Muscoviet Mosquito"
und schwelgt in Erinnerungen, während "Louise" und
"Michelle" in den Clubs aufgelegt werden....umso überraschter
waren sicher viele- mich eingeschlossen- als eine Werbeanzeige von Tess
Records vor kurzem eine Veröffentlichung von CLAN OF XYMOX ankündigte
...und noch dazu neues Material!!!
"...lässt die alten und besten Tage von Clan of Xymox wie Phoenix
aus der Asche aufsteigen und die Ausflüge in andere Bereiche
vergessen...", heißt es da und keine geringeren Produzenten wie Dave
Allen (The Sisters Of Mercy, Siouxie and the Banshees) und John Rivers (Dead
Can Dance) haben sich dem Sound und der Musik angenommen! Inzwischen
bestehen CLAN OF XYMOX nur noch aus Ronny Moorings und einigen
Gastmusikern... doch das, was ich da in Form eines Advance- Tapes zu
hören bekam, machte mich nicht nur neugierig, sondern konnte mich auch
vollkommen überzeugen. Also setzte ich mich an meinen Schreibtisch und
schrieb einen netten Brief an Ronny Moorings, der so nett war, mir den
ersten Teil meiner Fragen auch prompt zu beantworten. Einen weiteren
Schwung Antworten erhielt ich ein bisschen später direkt aus den USA, da
Ronny zu diesem Zeitpunkt gerade im Rahmen einer Promotion- Tour dort
unterwegs war.
Tja, und hier ist es nun... und wenn ich ehrlich sein darf, hätte ich es
nicht für möglich gehalten, dass ich eines Tages auch noch ein Interview
mit mit einer Band führen darf, die schon seit meiner Jugend zu meinen
absoluten Favoriten gehören! Doch manchmal werden auch Träume wahr und
so freue ich mich sehr darüber und bin auch ein bisschen stolz darauf,
euch diesen Beitrag in "Black" präsentieren zu dürfen...
Black: Die Gründung der ursprünglichen CLAN OF XYMOX liegt einige Jahre
zurück. Du hast damals zusammen mit Anke Wolbert die Band gegründet und
Eure erste EP "Subsequent Pleasures" erschien auf Eurem eigenen
kleinen Label. Eine weitere Station der ersten Schaffensphase war
sicherlich der Beitrag "Muscoviet Mosquito" zur "Lonely Is
An Eyesore"- Compilation von 4ad.
Wenn Du heute auf die Vergangenheit zurückblickst und Dich an die
Anfangstage von CLAN OF XYMOX erinnerst, was denkst Du dann über Eure
musikalischen Anfänge?
Ronny: Ich habe noch immer gute Erinnerungen and die Gründung von CLAN OF
XYMOX. Ich war damals noch Student und wollte unbedingt Musik machen.
Anfangs hatte ich überhaupt keinen Plan, wie man mit einem Keyboard
umgeht und diesem Ding überhaupt einen Ton entlocken konnte, doch nachdem
ich Anke traf, kam die Sache langsam ins Rollen.
Unsere ersten Aufnahmen machten wir mit einem tragbaren 4- Track-
Recorder, was heute eigentlich unvorstellbar ist. Dennoch habe ich aus
dieser Zeit viel über das Arbeiten mit Musik an sich gelernt und möchte
diese Phase auf keinen Fall missen. Schaue ich heute zurück, empfinde ich
lediglich unsere ersten Tracks als äußerst chaotisch...
Black: Euren Kontakt zu 4ad in England habt ihr wohl DEAD CAN DANCE zu
verdanken?
Ronny: In gewisser Weise haben wir "Subsequent Pleasures" eine
Menge zu verdanken, denn im Rahmen einer Promotion- Tour in den
Niederlanden traf ich in Nijmegen auf Brendan Perry und Lisa Gerrard von
DEAD CAN DANCE. Sie saßen in einem Restaurant zusammen mit mir an einem
Tisch und erzählten mir, dass sie gerade als Support der COCTEAU TWINS
unterwegs seien. Nach einer längeren Unterhaltung luden sie mich ein, sie
nach der Show Backstage zu besuchen und dort traf ich dann natürlich auch
die COCTEAU TWINS. Das war mein erster Kontakt mit 4ad- Künstlern...
Ich gab Brendan damals ein Exemplar von "Subsequent Pleasures"
und wir blieben in Kontakt. Einige Wochen später rief er bei mir an und
fragte ganz überraschend, ob wir nicht als Support von DEAD CAN DANCE auf
deren erster Tour fungieren wollten und wir nahmen diese Einladung dankend
an...
Black: Hast Du noch Kontakt zu Brendan und Lisa?
Ronny: Ja, ich habe Brendan zum letzten Mal getroffen, als DEAD CAN DANCE
letztes Jahr in Amsterdam spielten. Nach der Show trafen wir uns im Hotel
und unterhielten und die ganze Nacht. Da er in Irland lebt ist es sehr
schwierig, den Kontakt zu halten oder ihn zu besuchen.
Black: Die etwas neuere Version von "Muscoviet Mosquito" auf
"Lonely Is An Eyesore" klingt sehr stark nach THE CURE und
überhaupt hatte man anfangs den Eindruck, als wären CLAN OF XYMOX sehr
stark durch Bands wie ECHO & THE BUNNYMEN oder JOY DEVISION beeinflusst worden. Siehst Du das ähnlich?
Ronny: Ja, das liegt vor allem daran, dass ich diese Bands schon mochte,
bevor ich überhaupt ein Instrument spielen konnte. Anfangs habe ich sogar
versucht, einige ihrer Stücke nachzuspielen, so dass eine gewisse
Präsenz ihrer Einflüsse in der Musik CLAN OF XYMOX's unumgänglich war.
Black: Kannst Du mir ein paar Infos zum textlichen Background von
Stücken wie "Louise" oder "Michelle" geben?
Ronny: "Louise" und "Michelle" sind offensichtlich
Frauennamen.
Über die Jahrhunderte hinweg haben sich zahlreiche Leute mit dem
Gegensatz von "Qual" und "sex" auseinandergesetzt...
Poeten, Schriftsteller, Maler und auch Musiker versuchten, auszudrücken,
was sie dabei empfanden. Michelle und Louise sind nicht die wirklichen
Namen der Frauen, mit denen ich mich in diesem Zusammenhang beschäftigt
habe, aber meine Stimmungen und Gefühle waren real. Der dazugehörige
Text drückt in Fragmenten das aus, was ich empfunden habe!
Black: Schon nach zwei Alben habt ihr Euch von 4ad getrennt und einen
Vertrag bei PolyGram unterschrieben. Dort erschien dann auch mein
persönliches Lieblingsalbum "Twist of Shadows", welches
allerdings ein wenig kommerzieller ausgefallen ist und kaum noch
alternativ klang. Wie kam es zu diesem Labelwechsel und welche Art von
Feedback habt Ihr auf Grund von "Twist of Shadows" bekommen?
Ronny: Wir verließen 4ad nicht, weil wir das Label nicht mehr
mochten, sondern da unser damaliger Manager Raymond Coffer eine USA- Tour
vermittelte und wir zu dieser Zeit auch einen No.1- Hit in den Import-
Charts mit "Blind Hearts" hatten. Im Rahmen dieser Tour spielten
wir immer wieder in ausverkauften Hallen und das Interesse diverser Major-
Labels an uns war sehr groß. Im Los Angeles warteten bereits 5 Major-
Labels nach dem Konzert auf uns und wollten uns einen Vertrag anbieten.
Raymond schlug uns schließlich vor, das Label zu wechseln, da er sich
für uns einen größeren Vertrieb erhoffte, den uns 4ad leider nicht
bieten konnte.
Mit dem Vertrag bei PolyGram endete auch unsere Zusammenarbeit mit
John Fryer und Pete Walsh (Simple Minds, Jene Love Jezebel) nahm sich
unserer an. Zum ersten Mal war jemand aktiv in unsere Aufnahmen involviert
und redete uns auch rein, wenn wir etwas zu unkonventionell klangen.
Pete's Produktionen fielen äußerst sauber aus, so dass man dieses Album
sicherlich als eher kommerziell bezeichnen kann, auch wenn wir nie
vorgehabt haben, so zu klingen.
Wenn Du das Thema "Feedback" ansprichst, kommt es darauf an, wer
dieses gibt! Jeder hat andere Meinungen dazu und ich habe gelernt, nicht
jedem zuzuhören und mich auf mein Gefühl in Bezug auf mein Leben und
meine Musik zu verlassen. Ich halte es einfach für vernünftiger, mich so
zu verhalten!
Black: Das letzt Album, welches Du zusammen mit Anke Wolbert und Pieter
Nooten aufgenommen hast, war "Phoenix"- hier findet sich
übrigens eine besonders geile Cover- Version von "Dancing
Barefoot"- und danach trennten sich Eure Wege. Du hast Dich dann mit
"Metamorphosis" und "Reaching Out" eher einer anderen
Musikrichtung zugewandt, die man heute auch als Techno- House bezeichnen
kann. Wieso dieser Stilbruch?
Ronny: Schon während der Aufnahmen zu "Phoenix" befanden wir
uns alle in einer Identitätskrise... jeder redete auf uns ein und wollte
wissen, in welche Richtung wir uns musikalisch entwickeln wollen. Ich
selbst lebte zu dieser Zeit in London und ich denke, der schlimmste
Nachteil dieser Stadt ist, dass dort jeder der hippeste in der Szene sein
will. Ganz schnell ging ich unbedacht in die Falle und so findet man auf
"Phoenix" die eine oder andere Indikation zu einer ganz
anderen Art von Musik- nämlich der tanzbaren Art, so wie es Anfang der
90er Jahre "in" war. Doch selbst THE CURE haben sich dieser
Welle mit ihrem "Mixed Up"- Album angeschlossen! "Metamorphosis"
und "Headclouds" waren dann eigentlich nur noch die Fortführung
dieser Stimmung, in der sich damals irgendwie alle befanden!
Auf "Headclouds" habe ich außerdem versucht, tanzbare Grooves
und melancholische Sounds mit Gesang zu kombinieren. Das war sozusagen der
Bestandteil eines Experiments, auf dem ich nun aufbauen kann. Außerdem
empfinde ich es persönlich als hoch interessant, wenn eine Band nicht
ständig versucht, sich immer und immer wieder selbst zu kopieren, sondern
auf andere Einflüsse einlässt ... so wie das zum Beispiel DEPECHE MODE
getan haben. Nicht viele Menschen akzeptieren solche Veränderungen, auch
wenn sie noch so gut sind!
Nach der Veröffentlichung von "Headclouds" siedelte ich
wieder nach Amsterdam um und machte eine ganze Weile überhaupt keine
Musik. Ich traf verschiedene Leute aus der Industrial- / Gothic- Szene und
brauchte diese Zeit wohl, um mich selbst wiederzuentdecken...
Heute bin ich der ganzen tanzbaren Einflüsse ziemlich überdrüssig und
hasse es, wenn aus ihnen überhaupt nichts Alternatives mehr rauszuhören
ist. Ich denke, ... irgendwie hat sich der Kreis geschlossen!
Ich sehe die musikalischen Wurzeln von CLAN OF XYMOX vor allem in den
beiden Alben, die auf 4ad erschienen sind und denke deshalb, das die Band
nun mit der Veröffentlichung von "Hidden Faces" zu ihren
Wurzeln zurückkehren wird. Doch wir haben auch viel gelernt und werden
einige Fehler nicht noch einmal machen! Vielleicht haben wir auch deshalb
einen Vertrag bei TESS RECORDS unterschrieben, da und dieses Label ein
bisschen an 4ad erinnert hat. Ich kann Dir versichern, dass wir nicht noch
einmal bei einem Major- Label unterschreiben werden!
Black: Nach der Trennung von Anke Wolbert und Pieter Nooten wurde es recht
ruhig um die Beiden! Anke arbeitet - Gerüchten zufolge- an einem neuen
musikalischen Projekt und von Pieter hat man bis dato nichts mehr gehört.
Hast Du noch Kontakt zu beiden und wer sind eigentlich die Leute von BORN
FOR BLISS, die sich heute als ex- CLAN OF XYMOX ausgeben?
Ronny: Nein, ich habe keinen Kontakt mehr zu Anke und Pieter und möchte
ehrlich gesagt auch nicht näher auf diesen Teil der Frage eingehen!
Zu BORN FOR BLISS kann ich nur sagen, dass diese Band von zwei Musikern
gegründet wurde, die CLAN OF XYMOX einst "live" ein bisschen
unterstützt haben und nie ein Teil des musikalischen Schaffensprozesses
waren! Ich denke, die beiden erhoffen sich ein bisschen mehr
Aufmerksamkeit, wenn sie unseren Namen verwenden!
Black: Wie sieht denn das momentane Line - Up von CLAN OF XYMOX aus?
Ronny: Wir bestehen zur Zeit aus 5 Leuten auf der Bühne! Unser kommendes
Album trägt den Titel "Hidden Faces" , weshalb wir die genaue
Identität der Personen auch erst aufdecken werden, wenn dieses Album auf
den Markt kommt. Das einzige, was ich Dir im Moment verraten kann ist,
dass wir alle gute Freunde sind!
Black: Von Eurem neuen Album wurde jetzt zunächst die Maxi "Out Of
The Rain" veröffentlicht. Wie sehen dennn die weiteren Pläne aus
und wie werden CLAN OF XYMOX zukünftig klingen?
Ronny: Das Album "Hidden Faces" wird im September auf TESS
RECORDS veröffentlicht und wir haben eigentlich auch vor, eine Tour in
Europa und den USA zu machen. Bei diesen Konzerten wollen wir aber auch
einige Stücke der ersten beiden Alben spielen.
Ich denke, "Hidden Faces" darf man als logische Fortsetzung der
ersten beiden CLAN OF XYMOX- Alben verstehen. Die Aufnahmen entstanden im
Woodbine Studio in Leamington in England und als Produzenten arbeiten
sowohl Dave M. Allen als auch John A. Rivers mit uns zusammen. John Rivers
hat in der Vergangenheit bereits einige B- Seiten und auch eine frühe EP
von uns produziert. Das Resultat ist eine neue musikalische Innovation von
uns selbst in Verbindung mit den dunklen Zeiten des 4ad- Labels und den
abgefahrenen Sounds der 90er Jahre,
Black: Wo lebst Du eigentlich momentan und wie kam Dein Kontakt zu TESS
RECORDS in Amerika zustande?
Ronny: Mittlerweile lebe ich wieder in Amsterdam das seit nunmehr 3
Jahren.
Den Kontakt zu TESS verdanke ich vor allem dem Internet und all seinen
Möglichkeiten. Wir haben ein paar E-Mails hin und her geschickt und uns
erst eine Weile später auf dem konventionelleren Wege unterhalten ...
nämlich per Telefon. Matt Ballesteros ist für TESS RECORDS
verantwortlich und ist ein wirklich netter Kerl, der ganz nebenbei noch
der Drummer von THIS ASCENSION ist. Ich persönlich empfinde es als eine
gute Sache, wenn jemand beide Seiten des Business kennt... ähnlich war es
auch mit Ivo Watts, dem Mann hinter 4ad, der ja auch der Kopf von THIS
MORTAL COIL war und dann ist ja da auch noch Sam Rosenthal; Labelchef von
PROJECT RECORDS und Gründer von BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL.
TESS RECORDS ist wohl vor allem durch FAITH & THE MUSE und THIS
ASCENSION bekannt geworden und dann ist ja da auch noch der Vertrieb
ETHERHAUS, der Platten von FRONT LINE ASSEMBLY, DAS ICH, PROJECT PITCHFORK
und LYCIA in Amerika vertreibt.
Black: Wieso habt ihr Euch dazu entschieden, eine neue Version von "Going
Round" aufzunehmen und auf das neue Album zu packen?
Ronny: Der Grund dafür ist eigentlich der gleiche wie für die Version
von "Muscoviet Mosquito", die auf "Lonely Is An
Eyesore" erschienen ist ... beide Stücke waren eher kindliche
Versuche, von denen ich den Eindruck hatte, dass man aus ihnen mehr
Potential herausholen konnte, wenn man sie noch ein bisschen bearbeitet.
Und so gibt es nun eine 90er Interpretation von "Going Round",
die sich ein bisschen am Industrial der Gegenwart orientiert!
Black: Als ich ein Advance - Tape von "Hidden Faces" erhielt,
war ich etwas verwundert, wie CLAN OF XYMOX in der Gegenwart klingen...
nämlich wesentlich dunkler und mit wesentlich mehr Gitarren und dem
vermehrten Einsatz von elektronischen Effekten... dafür ein bisschen
weniger Romantik. Dennoch haben ein paar der Stücke - wie z.B. "It's
All A Lie" , "Your Vice" oder "Troubled Soul" -
den typischen melancholischen Touch, wie man ihn von CLAN OF XYMOX kennt.
Wann seid Ihr zu dem Punkt gekommen, an dem Ihr Euch entschieden habt,
jetzt eher Gothic- orientierte Musik zu machen?
Ronny: Neben den von Dir erwähnten Stücken gibt es noch andere, die das
Feelling der alten Tage wiederbeleben... z.B. "The Story Ends"
und dann wäre da noch die Single "Out Of The Rain" - für mich
ein Nachfolger von "Michelle". "This World" klingt ein
bisschen nach "Louise" and so on...
Bevor feststand, welche Stücke wirklich auf "Hidden Faces"
vertreten sein würden, mussten wir eine Vorauswahl treffen, bei der
einige Tracks aussortiert wurden, die - wie Du es nennst- das typische
CLAN OF XYMOX- Feeling rüberbrachten. Dennoch findet man 14 Stücke auf
dem künftigen Album, die alle mit melancholischen Instrumenten
eingespielt wurden.
Wir wollen musikalisch ganz neu beginnen und uns von alten Vorgaben
lösen., deshalb wurde aus XYMOX am Ende auch wieder CLAN OF XYMOX.
Black: Neben den bereits erwähnten
Stücken findet dich auf "Hidden Faces" auch ein Track mit dem
Titel "Special Friends". Wovon handelt er?
Ronny: Ganz einfach... von Freunden, die durch dick und dünn
gehen!
Black: Daneben wird "Piano Piece"
durch den Einsatz eines Klaviers dominiert! Magst Du klassische
Komponisten oder gar Pianokonzerte?
Ronny: Ja... um nur ein paar zu nennen... Debussy oder Mahler..
aber ich kann keine bestimmten Werke von ihnen hervorheben, da mir nicht
unbedingt alle gut gefallen. Am liebsten höre ich Saiteninstrumente und
Kompositionen wie z. B. Mozart's Requiem oder Mahler's 5. Symphony.
Black: Was kannst Du mir über Euren
Erfolg in den USA berichten?
Ronny: Nachdem wir zu PolyGram gewechselt hatten, erschien es so,
als würde uns jeder in den USA kennen... und auch in Europa wurden einige
Leute auf uns aufmerksam, die bisher noch nie von 4ad gehört hatten. Das
Album "Twist Of Shadows" hat sich insgesamt über 300.000 mal
verkauft und wir gaben zahlreiche Konzerte in den Staaten.
Dennoch mochte ich die Tatsache nicht, dass die Stücke auf der
"Twist Of Shadows" den Eindruck erweckten, als wollen wir
unbedingt in die Charts! Ich selbst sah CLAN OF XYMOX nie als kommerzielle
Band und deshalb war "Phoenix" schließlich auch unsere letzte
Veröffentlichung auf PolyGram!
Im Moment habe ich keine Idee, auf welcher Höhe der Erfolgsskala wir uns
momentan befinden. Den einzigen Erfolg, den ich selbst registriert habe,
ist die Tatsache, dass wir ein fantastisches neues Album eingespielt haben
und dieses auf einem hervorragendem Label veröffentlichen werden.
Black: Welche Art von Musik bevorzugst
Du persönlich heute und wie sehen Deine persönlichen All- Time- Top-10
aus?
Ronny: Heute genieße ich Industrial- Musik, Gothic- Rock und
natürlich Dark- Wave...
1. Nine Inch Nails - Pretty Hate Machine
2. Depeche Mode - Violator
3. Sisters Of Mercy - Floodlands
4. The Cure - Disintegration
5. Dead Can Dance - Within The Realm Of A Dying Sun
6. Curve - Cuckoo
7. Young Gods - TV Sky
8. Marilyn Manson - Antichrist Superstar
9. Front 242 - Official Version
10. Davis Sylvian - Gone To Earth
Black: Du zählst hier CURVE aus
England auf. Diese Band ist hier in Deutschland nicht unbedingt bekannt,
obwohl Toni Holiday und Dean Garcia zu meinen persönlichen Favoriten
gehören. Woher kennst Du Ihre Musik?
Ronny: Unser früherer Manager Raymond Coffer war eine Weile auch
für CURVE verantwortlich, so dass es nicht ausblieb, dass ich auch mal
eine Platte von ihnen zu hören bekam. Ich mag CURVE, da ihre Musik eine
Mixture aus verschiedenen Stilrichtungen ist und sie alle möglichen
Samples verwenden. Außerdem wirkt die Musik durch Toni's kühlen Gesang
ganz schön verschärft.
Black: Zu den größten und besten
Veröffentlichungen auf 4ad gehören zweifelsohne auch die Alben von THIS
MORTAL COIL, die im Rahmen von Collaborationen mit DAED CAN DANCE, X MAL
DEUTSCHLAND, COCTEAU TWINS und CINDYTALK entstanden. Die Releases dieses
Projektes sind absoluter Kult und Stücke wie "Song To The Siren"
oder "Waves Become Wings" fallen vor allem durch ihre
melancholische Schönheit auf. Magst Du selbst auch THIS MORTAL COIL und
weshalb haben sich CLAN OF XYMOX nie an einem solchen Projekt beteiligt?
Ronny: THIS MORTAL COIL ist das Projekt von Ivo Watts, dem Label-
Chef von 4ad, der nicht nur die Stücke sondern auch die beteiligten
Künstler für die Alben selbst ausgesucht hat. Leider gehörten wir nie
zu den Auserwählten!
Black: Hast Du eigentlich noch Kontakt
zu John Fryer, der sich einst als Euer Produzent ausgezeichnet hat?
Ronny: John war der hauseigene Produzent der Blackwing Studios in
London, der alle Veröffentlichungen von 4ad produziert hat... irgendwie
gab es da eine Art Arrangement.
Vor einiger Zeit habe ich mit John gesprochen und erfahren, dass er nun
als ein sehr populärer Produzent in den USA arbeitet... z.B. für Bands
wie NINE INCH NAILS ("Pretty Hate Machine"). Viele andere
Künstler wie z.B. STABBING WESTWARD oder GRAVITY KILLS mochten den Sound
anderer Alben und fragten bei ihm an, ob er sich nicht in der gleichen Art
produzieren könnte. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann ist er
total ausgebucht und äußerst beschäftigt!
Black: Wie sieht denn die musikalische
Zukunft von CLAN OF XYMOX im Moment aus?
Ronny: Ich denke, CLAN OF XYMOX sind nun wieder auf dem richtigen
Weg! Wir wollen unbedingt unser neues Material auch "live"
präsentieren und wenn alles klappt, werden wir wohl noch im November 1997
auf Tour gehen!
Black: Gibt es eigentlich eine CLAN OF
XYMOX- Veröffentlichung, die Du selbst sehr schätzt oder bevorzugst?
Ronny: Das ist eine sehr schwierige Frage, da ich keinem Album den
Vortritt geben möchte. Jedes von ihnen repräsentiert einen Teil von mir!
Black: Eine letzte Frage... warum habt
Ihr eigentlich den Bandnamen nun wieder zu CLAN OF XYMOX geändert?
Ronny: Aus dem gleichen Grund, weshalb wir uns einst nur XYMOX
nannten, um eine Veränderung zu symbolisieren!
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