In eigenen Worten:
Clan of Xymox
(c) Orkus 1999
Übersetzung:
Agnes Merklein

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"Jasmine
and Rose"
Düfte und Gerüche versetzen einen oft in
vergangene Gefühle oder Situationen zurück, oder erinnern einen sehr
stark an einen oder mehrere Menschen. Ehe man sich dessen bewusst wird,
arbeitet das Gedächtnis auf Hochtouren.
"Crucified"
Wenn man jemanden zu kennen glaubt, ist man sehr überrascht, wenn man
eine verborgene Charakterseite entdeckt, die so unangenehm ist, dass der
einzig verbleibende Weg ist, den anderen nicht
mehr wiederzusehen.
"Taste of Medicine"
Manchmal scheinen die Wände fast aus Pappe zu sein, und während man
im Bett liegt, kann man Geräusche und Stimmen durch die Wand hören.
Unschöne Szenen spielen sich in den Zimmern anderer Leute ab, und sie
vergessen dabei oft, dass "Wände Ohren haben".
"Undermined"
Manche Menschen versuchen, einen in diese oder jene Richtung zu
drängen, nur zu Ihrem eigenen Nutzen, und meinen, man würde ihre
Absichten nicht durchschauen.
"Consolation"
Wie oft muss man sich das immer gleiche Zeug anhören und den Leuten
Ratschläge zu ihren Problemen geben, bevor man sich eines Tages bewusst
wird, dass man davon einfach genug hat?
"Waterfont"
Wenn man bestimmte Personen nicht mehr
trifft und keinen Kontakt mehr zu ihnen aufnimmt, wird man in den meisten
Fällen einen guten Grund dafür haben. Unglücklicherweise verstehen
einige diese Botschaft nicht und drängen sich weiterhin auf die eine oder
andere Art in dein Leben...
"Creature"
Sich im Frühling fragen, was mit diesem einen Menschen wohl passiert
ist, und zu dem Schluß kommen, dass das einzige Ziel im Leben dieses
Menschen höchstwahrscheinlich die Reproduktion seines genetischen
Materials ist.
"All I Have"
Es aufgeben oder es noch einmal versuchen, das ist die Frage.
"Falling Down"
Die Erkenntnis, dass ein nahestehender Mensch derjenige ist, den man
niemals enttäuschen oder verletzen möchte, dass man darin aber immer
irgendwie scheitern wird.
"Without a Name"
Ein Instrumental-Stück, das einen Soundtrack für die eigene
Vorstellungskraft bietet.
"Doubts"
Unsicher sind wir alle, und manchmal weiß man einfach nicht, wie man
das ewige Ergründen des Unergründlichen bewältigen soll.
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| Act
des Monats
(c)
Orkus 1999
Dennis Wollnik


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"
Ich hasse es, mich zu wiederholen", sagt Ronny Moorings, seit nunmehr
sechzehn Jahren Vordenker und Lenker der Formation Clan of Xymox, die
zwischenzeitlich auch unter dem Kürzel Xymox in Erscheinung trat. Was bei
manch anderem Musiker nach einer hohlen Phrase klingt, belegen die
bisherigen Veröffentlichungen der Niederländer aber in der Tat durch
ihre stilistische Vielfalt. Zählen die ersten beiden Alben zwar zu den
Klassikern des (New) Wave, so viel "Medusa" seinerzeit doch
etwas ruhiger und weniger elektronisch aus als das Debut, bevor auf "
Twist Of Shadows" insbesondere die Pop- Synthies dominierten. Beim
vierten Output "Phoenix" konnte man die ersten Dance- Einflüsse
ausmachen, und selbst die recht technoiden Langrillen "Metamorphosis"
und "Headclouds" unterschieden sich in ihrer Gestaltung
erkennbar voneinander. Im Herbst 1997 schließlich gelang Ronny nach
vierjähriger Abstinenz mit neuer Bandbesetzung, aber wieder unter altem
Namen ein beachtliches Comeback, wobei das siebte Album "Hidden Faces"
atmosphärisch an die Ursprünge anknüpfte und beinahe alle bis dahin
verfolgten Stile in einem neuzeitlichen Gewand zu vereinen wusste. Anstatt
dieses vom Erfolg gekrönte Konzept nun jedoch einfach zu kopieren,
wird Ronny Moorings auch mit "Creatures", dem neuesten Werk der
Amsterdamer, seinem Anspruch auf musikalische Weiterentwicklung und
Perfektion einmal mehr gerecht...
Orkus: Bist Du rückblickend
auf die Reaktionen auf "Hidden Faces" zufrieden?
Ronny: Zufrieden ist da eigentlich fast untertrieben. Vor zwei Jahren habe
ich ehrlich gesagt nicht gedacht, dass wir noch so viele Anhänger hinter
uns scharen, wobei mit der letzten Platte auch eine Menge neuer Fans
hinzugekommen zu sein scheinen. Dies schließe ich zumindest aus dem recht
jungen Alter einiger Gäste bei den anschließenden Konzerten, die in der
Regel übrigens ausgesprochen gut besucht gewesen sind.
O: Apropos gut besuchte Konzerte, in Mexico City habt ihr ja wohl für
ziemliches Aufsehen gesorgt!?
R: Das war tatsächlich unglaublich! Wir sind vorher noch nie dort gewesen
und waren deshalb zunächst vor allem vom Medieninteresse sehr
überrascht. Kaum angekommen, wurden wir auch schon zur Pressekonferenz
geladen, und in den folgenden Tagen entdeckten wir Berichte über uns auf
den Titelseiten der Tageszeitungen und im Fernsehen, so dass einen sogar
die Leute auf der Straße erkannten. Bei unserem Auftritt musste die
Polizei schließlich Hunderte von aufgebrachten Fans in Schach halten, die
in die mit ca. dreitausend Besuchern restlos ausverkaufte Halle stürmen
wollten. Ich muss gestehen, zwischenzeitlich kam einem das schon ein wenig
unwirklich vor.
O: In Amerika haben (Clan Of) Xymox vor allem mit den Pop- Alben
"Twist Of Shadows" und "Phoenix" Erfolge gefeiert. Nun
hat die neue Platte mit Popmusik ja noch deutlich weniger zu tun als
"Hidden Faces" es gehabt hat. Glaubst Du, dass "Creatures"
in den USA anders aufgenommen werden wird als in Europa, wo sich
insbesondere die ersten beiden Werke großer Popularität erfreuen?
R: Hm, darüber hab' ich noch gar nicht nachgedacht. Aber auf solche
Gedankenspiele sollte man sich während der Arbeiten an einer Platte auch
besser nicht einlassen. Sich einem Erwartungsdruck zu beugen, trägt
sicherlich nicht zur Kreativität bei, und im Endeffekt sollte doch eben
diese die Musik bestimmen.
O: Wo siehst Du denn die entscheidenden Unterschiede zwischen dem
aktuellen Longplayer und dem vorangegangenen Album?
R: "Creatures" ist zum einen wesentlich düsterer, zum anderen
auch in sich geschlossener. Im Gegensatz zu "Hidden Faces", wo
die Vermischung verschiedener Stilrichtungen die Platte eher in ihrer
Gesamtheit prägt, kennzeichnet die Fusion von Elektronik und Gitarren nun
vielmehr jeden einzelnen Song. Ich denke, "Creatures" ist sowohl
von den Kompositionen her als auch in bezug auf die Instrumentierung das
bislang homogenste Werk von Clan Of Xymox.
O: Stimmt es, dass Du nicht nur alle Stücke selbst geschrieben, sondern
das Album auch im Alleingang eingespielt hast?
R: Ja, aber das war noch nie anders. Okay, bis zu ihrem Weggang haben auch
Anke und Pieter Tracks beigesteuert, aber schon damals haben wir
größtenteils unabhängig voneinander gearbeitet. Die neu Band
unterstützt mich eigentlich nur live und ist - abgesehen von meiner
Freundin Mojca - so gut wie überhaupt nicht am Entstehungsprozess der
Songs beteiligt.
O: Wie verläuft denn dieser Prozess im Normalfall?
R: Am Anfang steht häufig die Idee für ein Intro, die oftmals einem
Piano- Sound meines Keyboards entspringt und damit die Grundstimmung eines
Stücks schon weitestgehend definiert. Mit der Gitarre gesellen sich dann
nach und nach weitere Melodien hinzu, und in der Regel schreibe ich die
Lyrics zum Schluss. Vor den eigentlichen Aufnahmen versuche ich dann mit
Hilfe von Demos, die den Endversionen bereits sehr nahe kommen, alles so
weit es geht zu Hause vorzubereiten. Im Studio möchte ich mich eigentlich
nur noch auf die möglichst perfekte Umsetzung des Materials
konzentrieren, denn die Entscheidungen, die man dort trifft, lassen sich
später nicht mehr korrigieren und sind für die Ewigkeit festgehalten.
Wenn man sich da einer Sache noch nicht sicher ist, kann man schon mal
leicht paranoid werden und sieht irgendwann den Wald vor lauter Bäumen
nicht mehr. So was ähnliches ist mir zum Beispiel damals bei den
Aufnahmen zum Album "Medusa" passiert, und es hat fast ein Jahr
gedauert, bis ich das Gefühl hatte, wirklich alles richtig gemacht zu
haben.
O: Hast Du seit dieser Zeit eigentlich irgendeine besondere persönliche
Veränderung an Dir festgestellt?
R: Im großen und ganzen fühle ich mich heute besser in meiner Haut. Ich
trete vielen Situationen deutlich überlegter entgegen und lasse mich
nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Ich denke, je mehr Erfahrungen man
sammelt, desto gelassener reagiert man auf widrige Umstände.
O: Ich weiß, Du redest nicht gerne über die Thematik Deiner Texte, aber
vielleicht könntest Du im Fall des Openers "Jasmine & Rose"
mal eine Ausnahme machen?
R: Dabei geht es um den nachhaltigen Einfluss, den Gerüche auf uns
ausüben können. So assoziiert man zum Beispiel Düfte mit bestimmten
Erlebnissen, selbst wenn diese schon lange Zeit zurückliegen, und das
Parfum einer verflossenen Liebe vergisst man eigentlich nie. Die Dualität
des Titels ist dabei durchaus beabsichtigt, denn Jasmin und Rose sind
sowohl weibliche Vornamen , als auch Pflanzen, deren Ölextrakte zur
Herstellung von Parfums verwendet werden. Inspiriert zu diesem Song wurde
ich übrigens unter anderem von Patrick Süskinds Roman "Das
Parfum".
O: Das Stück scheint für eine Single geradezu prädestiniert...
R: Die wird es diesmal aber nicht geben. Ich sehe derzeit nicht die
Notwendigkeit einer Auskopplung, denn Maxis oder gar Videos kosten Geld
und machen nur wirklich Sinn, wenn man auch Airplay im Radio bzw.
Rotationen bei den einschlägigen Fernsehsendern erwarten kann. Schaut man
sich aber mal an, was dort den lieben langen Tag so läuft, ist es recht
offensichtlich, dass wir in den meisten Fällen nicht in deren
Programmschema passen.
O: Ich nehme an, ihr werdet das Album auch live vorstellen?
R: Ja, klar! Unsere geplante US- Tour mit Project Pitchfork im April ist
zwar kurzfristig abgesagt worden, wir bemühen uns aber gerade um
Ersatztermine, und im Herbst werden wir dort wohl noch mal mit London
After Midnight unterwegs sein. Mexico nehmen wir nach den guten
Erfahrungen im letzten Jahr mit ziemlicher Sicherheit auch wieder mit, und
im Anschluss spielen wir wahrscheinlich zum ersten Mal ein paar Gigs in
Südamerika- Argentinien, Brasilien, Chile etc.. Bis dahin werden wir in
Europa zu sehen sein, in Deutschland voraussichtlich schon im Mai.
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