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Clan of Xymox

oder: einer für alle(s)

(c) Black Magazin 2000

Interview:
Manfred Zippel
Übersetzung:
Astrid Zippel

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English translation will be coming soon

 

Ach was hätten wir Ende der 80er Jahre für so ein gutes Live-Album alles getan? Unseren linken Arm gegeben? Die Schwiegermutter in spe verkauft??! Doch lange hat es gedauert, bis sich CLAN OF XYMOX zu dem aktuellen Album "Live" haben hinreißen lassen. Die Geschichte der Band wurde ordentlich durch den "Fleischwolf" der Zeit gedreht. Viele Änderungen - sowohl in der Besetzung als auch in der musikalischen Richtung - umspülten zunächst den CLAN und trennten ihn augenscheinlich für immer von XYMOX... doch das beständigste Element der Band, Ronny Moorings, schaffte 1997 das Unglaubliche: Er bracht - zumindest namentlich - den CLAN OF wieder mit XYMOX zusammen.
Ronny Moorings, seines Zeichens Mastermind und Seele dieser unverwechselbaren holländischen Formation, besann sich auf seine alten Stärken und schaffte mit "Hidden Faces" wieder die einzigartige Verschmelzung von akustischen und synthetischen Elementen. Mit "Creatures" legte er noch mal einen nach und kreierte eine logische Fortsetzung zu den ersten beiden Alben der Band.
Jedoch zeigt sich Ronny Moorings nach der Trennung von Anka Wolbert und Pieter Nooten im Jahre 1991 alleine für die gesamte Produktion der Band verantwortlich. Nach dem Gig in Krefeld, bei dem ich mich noch einmal von der Live-Qualität der Band und dem "ordnungsgemäßen Inhalt" des Live-Albums überzeugen durfte, hatte ich die Möglichkeit, zusammen mit Ronny, einen Rückblick auf die musikalische Geschichte der Band und des Live-Albums zu werfen....
?: Es hat 17 Jahre gedauert bis ein Live-Album von XYMOX auf den Markt gekommen ist, obwohl Ihr ja schon immer sehr viel live gespielt habt. Warum hat das so lange gedauert?
Ronny:
Weil ich dachte... eigentlich war das Ganze überhaupt nicht meine Idee. Als wir zur Südamerikatour sollten, fragte ein Promoter, ob er Aufnahmen machen könnte, da er ein komplettes Studio zur Verfügung hätte. Ein Studio direkt am Auftrittsort. Da dachte ich: Ok, keine schlecht Idee. Lasst uns Live-Aufnahmen  machen. Und auf professionelle Art und Weise, denn ich hasse billige Live-Aufnahmen. Du hast viele Live-Aufnahmen, aber sie haben nie den richtigen Sound. Also nahmen wir diese Idee weiter in Angriff. Wir haben vier Shows in Südamerika aufgenommen und sie dann später im Studio abgemischt.
?:Und dort wurde dann auch ein Video gemacht?
Ronny:
Auch beim Video dachte ich, es sei eine nette Idee, weil ich wusste, das jemand mit einer professionellen Kamera etwas in Dresden aufgenommen hatte. Er wollte einige Sachen filmen und ich fragte ihn, ob er eine einfache Live-Aufnahme machen könnte, einen Video-Clip. Es war nichts besonders Aufregendes oder so. Ich dachte einfach, das sei eine nette Idee. Ein anderer Videofilmer wollte etwas ähnliches machen, aber in einer etwas verrückteren Art, die ich mehr mochte...Stranger. Also hatten wir zwei Videos und ich dachte, es sei eine nette Sache, sie mit in das Live-Album zu integrieren, weil ein Live-Album Dir mehr Freiheit lässt als ein Studioalbum. Du kannst quasi alles, was Du willst darauf unterbringen, und so wurde daraus ein ganzes Paket mit einer anderen ungewöhnlichen Sache: Einem Booklet, was wir sonst nie gebrauchen, mit vielen Live-Fotos und Informationen sowie Danksagungen. Noch dazu die Videos und ein Doppelalbum. Also war das Album eine sehr große Sache für uns.
?: Aber der eine Videoclip war doch auch aus Mexico....
Ronny:
Ja, für das Video zu "Stranger" kommt eine Menge Material aus Mexico. Ich glaube, "Stranger"  besteht komplett aus meiner Kameraarbeit. Wir haben mit meiner Kamera überall unterwegs gefilmt.
?: Viele meinen, es ist sogar eine Art "Best of"- Album. Würdest Du das auch so sehen?
Ronny:
In einer Hinsicht ja, weil wir die Songs, die wir auf das Live-Album gepackt haben, auch live spielen. Also ich denke, es sind Songs, die live funktionieren und ich denke, dass sie live funktionieren durch die Erfahrung vieler Jahre. Das ist eine Seite und ich denke, dass es im wesentlichen die Songs sind, die ich liebe zu spielen. Also ist es diese Zusammenstellung von ausgesuchten Tracks aus unterschiedlichen Alben, die wir live gespielt haben und dann später auf das Album gepackt haben, so dass wir 17 Tracks hatten.
?: Und Du hast ja das Album selbst remixed und zwischen den Songs sind immer Pausen. Es ist kein durchgehendes Album.
Ronny:
Das ist so, weil es sich um vier verschiedene Gigs handelt, also kannst Du nicht einfach von einem Publikum zum anderen wechseln. Ich meine, Du kannst schon, aber ich wollte nicht. Ich wollte auch keinen Mix haben wie zum Beispiel bei Bauhaus, wo das Publikum sehr im Vordergrund steht und die Musik überschreit. Ich wollte eher etwas Moderates, weil ich es abmische und es sich für mich auf der Bühne so anhört. Diese Sound. Aus der Sicht des Publikums hast Du einen anderen Sound, weil Du dann mitten unter den Leuten stehst. Im wesentlichen handelt es sich bei mir also um eine Darstellung des Publikums, wie ich es hörte; während des Gigs gehört habe und dann ist es auch noch eine Frage von: Willst Du es laut oder nicht? Und ich wollte die Atmosphäre der Hallen beibehalten.
?: Und Du willst ja immer alles sehr perfekt haben. Hast Du auch noch, ja ich sag mal, Effekte oder Instrumente dazugemischt oder ist das wirklich die Live-Aufnahme?
Ronny:
Ich habe noch Effekte gemischt, aber nur die, von denen ich weiß, dass sie ein Soundmixer auch benutzt hätte, weil wir hier von einem Live-Album reden. Wenn wir live spielen, dann programmieren wir Effekte und diese benutze ich dann. Also versuche ich, so nah wie möglich am unser Konzert heranzukommen, aber ich mische es ab, weil ich nie 100% wissen würde, wie ein Soundmixer es abmischen würde. Aber er sagt, es sei ziemlich ähnlich, also denke ich mir, dass es so ziemlich das ist, was er auch tun würde. Ich habe mehr Zeit als jemand anders, also kann ich mich voll darauf konzentrieren, es abzumischen. Doch ich wollte es auch nicht perfektionieren. Ich denke, ich noch viel mehr tun können, um es perfekt zu machen, so dass es wie ein Studio-Album geworden wäre, aber das ist kein Live-Album mehr. Also ließ ich die Dinge wie sie waren. Und natürlich hast Du die Wahl zwischen vier Konzerten und so gibt es immer einen Track, den Du für perfekt genug hältst. Das ist das Gute. Es ist nicht eine Konzertaufnahme, sondern es sind vier, nein fünf. Zwei am gleichen Ort und drei in anderen Ländern.
?: Euer Gitarrist ist nicht mehr dabei und auch Nina nicht mehr...
Ronny:
Oh, Nina ist bei der Band, aber diesen Monat kann sie nicht hier sein, weil sie keinen Pass hat. Um in Holland eingebürgert zu werden, muss man seinen Pass dem Staat geben und dann wird entschieden und der ganze Bürokratieapparat läuft ab. In dieser Zeit darf man nicht reisen und muss im Land bleiben, Daher mussten wir Nina durch Laura ersetzen, die eigentlich für unser Roadiing zuständig ist. Glücklicherweise ist sie eine klassisch ausgebildete Pianistin.
?: Also man kann das so schnell machen...
Ronny:
Sie war sehr schnell. Ich glaube, sie spielte einfach und nach 9 Tagen kannte sie alles, aber natürlich ist sie sogar geschulter als ich es bin. Ich kann noch nicht einmal Noten lesen. Die meiste Zeit "weiß ich nicht, was ich tue" und sie sagt mir um welche Akkorde es sich handelt oder was ich tue. Ich denke, das ist der Vorteil einer klassischen Ausbildung.
?: Ihr werdet aber noch einen neuen Gitarristen bekommen?
Ronny:
Ja, die gleiche Geschichte. Er wird auch gerade in Holland eingebürgert. Auch sein Pass ist weg. Sogar für anderthalb Monate, weil es bei ihm noch länger dauert. Also schätze ich, dass er im Dezember wieder bei uns sein wird und dann sollte alles ok sein.
?: In Mexico hattet Ihr sehr viele Zuschauer. In Europa sind nicht so viele Leute....
Ronny:
In Europa hast Du nie um die 20.000 Leute in einer Show. Nur bei Festivals, aber da sind natürlich auch die ganzen anderen Bands. Das war zwar auch ein Festival, aber es war eine andere Situation. Wir waren die einzige Band aus dem Ausland und die anderen waren lokale Bands. Somit denke ich, dass die große Menge durch uns angezogen wurde. In Europa ist es einfach eine normale Clubtour, wie jede andere Band das auch macht. Wir kamen gerade aus Warschau wieder, wo wir oder zusammen mit Bands auftreten wie Placebo oder Radiohead. Wir spielen also an vielen Orten, wo Bands spielen, die andauernd bei MTV zu sehen sind und ich weiß mit Sicherheit, dass uns zumindest viele Leute trotzdem kenn. Das beweist, dass man nicht unbedingt MTV dazu braucht, damit die Leute Deine Band kennen.
?: Würdest Du trotzdem gerne auf MTV gespielt werden?
Ronny:
Oh, wir haben einfach keine Videos und keine Marketingabteilung, die irgendwelche Typen zum Mittagessen einlädt und dann auf MTV landet. Zweitens besteht MTV, nachdem was ich sehe, aus reiner Rapmusik. Also denke ich nicht, dass wir dort hinpassen!
?:Wird XYMOX Dein einziges Projekt bleiben oder denkst Du auch daran, etwas anderes noch zu machen?
Ronny:
Nicht XYMOX, sondern CLAN OF XYMOX!
?: Na, eben CLAN of XYMOX!...
Ronny:
Nein, das wird das einzige Projekt sein, so arbeitsintensiv wie es ist. Also kann ich mir noch nicht einmal vorstellen, wie ich noch etwas anderes tun sollte.
?:Aber Du spielst jetzt alles alleine ein, habe ich gehört. Du spielst alle Instrumente, Du schreibst alle Songs, Du hast alles selbst in der Hand...
Ronny:
Dann kannst Du Dir ja vorstellen, was für einen vollen Zeitplan ich habe.
?: Also Du würdest auch kein Projekt mehr machen, wo Du mit anderen die Arbeit teilst?
Ronny:
Das Live-Album war eine Arbeit mit allen. Aber ich glaube, jeder vertraut auf mein Songschreiben und meine Aufnahme der Songs, sonst wäre da kein CLAN OF XYMOX oder würde es nie ein CLAN OF XYMOX geben. So liegen die Dinge nun einmal. Natürlich könnte ich die Sache ändern und die Songs gemeinsam schreiben. Es wäre eine andere Band. Diese Art von XYMOX ist das was Du bekommst, mit mir als Schreibpart. Eine Menge andere Bands verfahren genauso und jeder ist glücklich damit. Natürlich fragt man auch nach einem Feedback oder manchmal, wenn man etwas nicht weiß, vielleicht auch: Kannst Du mal einen Blick draufwerfen und mir etwas vorschlagen oder so. Mojca ist sehr in die Kritik mit einbezogen oder sie bringt mich dazu, Dinge zu ändern. Und das ist wertvoll also ist es nicht nur mein Solo-Input. Ich meine, am Anfang habe ich das auch gemacht, wie zum Beispiel: Kannst Du etwas ändern oder einen Kommentar machen...Das kostet mehr Zeit. Auch mit XYMOX habe ich Experimente gemacht, so das andere auch Songs schrieben und dann fand ich heraus, dass man so ein gewissen Mischmasch von Richtungen bekommt, wie zum Beispiel auf der "Twist of Shadows". Anka hat den Song "Imagination" geschrieben. Er war völlig verschieden von dem, was ich gemacht habe. Auf der "Phoenix" herrschte noch ein größeres Durcheinander, weil drei unterschiedliche Einflüsse aufeinander trafen und hierdurch fast ein Compilation-Album enstand, und so habe ich davon wieder Abstand genommen. Weil ich fühlte, dass die Art und Weise, wie ich bei der "Medusa" vorgegangen bin, die Art von Formel war, die ich am meisten mochte. Kein Mischmasch- eine Atmosphäre. Und ich denke, dies funktionierte am Besten für mich und den Rest. Ich weiß nicht. Natürlich spiele ich immer noch die Songs, die ich für die Stärksten von der "Twist of Shadows" halte. Ich spiele aber nicht von der "Phoenix", weil ich denke, dass es dort nichts gibt, was wert ist, gespielt zu werden. Vielleicht mag ich "The shore down under" ein wenig, wir spielen den Track manchmal, aber die meisten Tracks sind überholt, weil sie zu sehr mit der Zeit verhaftet sind, in der sie entstanden.
?: Früher habt Ihr ja als CLAN OF XYMOX auch mal neue Songs live ausprobiert und das ist jetzt eigentlich weniger der Fall..
Ronny:
Ich mache das nie, weil ich glaube, dass die Leute den Song zuerst von der Platte her kennen sollten, so das sie wenigstens die Dinge erkennen können. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute, kennen sie einen Song nicht, die meiste Zeit einfach dastehen- so nach dem Motto: Was ist das? Wir kennen das nicht. Du kriegst mehr Feedback, wenn sie den Song kennen.
?: Ihr würdet jetzt auch keine anderen Versionen spielen; die Live-Versionen verändern; sie anders spielen, als sie auf der Platte waren...
Ronny:
Auch das habe ich in der Vergangenheit getan und ich habe erkannt, dass die Leute die Songs lieber so hören, wie sie sie kennen und für mich ist das ziemlich einfach, sie so zu spielen, anstatt sie zu ändern. Die Leute fühlten sich nicht wohl damit und beschwerten sich: Ich habe dies nicht gehört, ich habe jenes nicht gehört und warum hast du diesen Sound verändert? Die Leute und besonders sind sehr konservativ. Sie möchten nicht, dass irgendetwas verändert wird. Das ist ihr gutes Recht und ich denke, dass es mir das Leben leichter macht, wenn sie nicht wollen, dass irgendetwas verändert wird. Also muss ich mir darüber keine Gedanken machen.
?: Mach es denn noch Spaß? Ich bin ja kein Musiker, aber wenn man so oft Konzerte gibt und man spielt immer die Songs. Macht das tatsächlich immer Spaß, die Songs zu spielen?
Ronny:
Ja, manchmal geht es wirklich gut und manchmal geht es nicht gut. Also hast Du eine Menge Spaß, wenn es wirklich gut geht, wenn Du denkst: das war ein sehr guter Gig. Du versuchst immer, nach Perfektion zu streben, und wenn Du den Punkt erreichst an dem du denkst: das war beinahe Perfektion, dann gibt das sehr viel Freude! Wenn jeder sagt: Ich hatte einen großartigen Gig und wenn das wirklich jeder hatte, dann hast Du einen großen Moment, weil jeder lächelt. Es ist niemals langweilig, weil Du von unterschiedlichen Zuhörern auch immer andere Reaktionen bekommst. Manchmal entsteht wirklich ein Austausch mit dem Publikum.
?: Und ich habe gehört, dass es nächstes Jahr ein neues Studio-Album geben soll. Was kannst Du dazu schon sagen? Hast Du schon Ideen? In welche Richtung wird es gehen?
Ronny:
Ich bin noch dabei zu schreiben, also weiß ich es nicht. Ich wünschte, ich wüsste es, ich wünschte, ich hätte ein Konzept vor Augen, aber das habe ich nicht. Ich fange einfach an zu schreiben und werde sehen, was herauskommt.
?: Zwischen März und Mai nächsten Jahres wird es mit der nächsten CD soweit sein?
Ronny:
Ich versuche es zu diesem Termin. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde oder nicht. Die Single ist nicht dazu gedacht, das Album zu promoten, die Single ist für die Fans, die etwas für die Zwischenzeit haben wollen.
Vielen Dank, dass Du Zeit hattest und viel Spaß bei The Chameleons.......................

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