
| Clan of Xymox
(c) Orkus 2001 Dennis Wollnik English translation will be |
Im Laufe der letzten vier Jahre nahmen
Fragen nach der Vergangenheit einen oft nicht unerheblichen Raum bei
meinen Interviews mit Ronny Moorings ein. Doch damit ist nun Schluss, denn
insbesondere nach unserem Gespräch zum Re-Release der Debut-EP "Subsequent
Pleasures" (Siehe Orkus 06/01) sollten diesbezüglich eigentlich kaum
noch Unklarheiten bestehen. Clan of Xymox sind auch schon lange nicht mehr
"nur" die Kult-Band aus den Achtzigern, die 1997 mit dem Album
"Hidden Faces" plötzlich wieder auf der Bildfläche erschienen
ist. Ganz im Gegenteil, denn spätestens seit "Creatures" sind
die Niederländer in der Jetztzeit angekommen und haben sich zu einem
einflussreichen Vertreter der heutigen Gothic- Kultur gemausert. Belegt
wird dies unter anderem durch die Tatsache, dass sich auf Konzerten nicht
nur die Szene-Opas aus dem Seniorenstift einfinden, um der "guten
alten Zeit" hinterherzutrauern. Statt dessen tummeln sich dort
weitaus mehr Fans jüngeren Semesters, die noch mit buntgestreiftem
Anorak, Trinkdöschen und Pausenbrot von Mutti auf dem Schulhof gestanden
haben dürften, als Clan of Xymox ihre ersten Platten veröffentlichten.
Nun erscheint mit "Notes from the Underground" dieser Tage das
neunte Studiowerk des Quintetts, und es gilt den Blick nach vorn zu
richten. Also, keine Fragen mehr zur Vergangenheit. Naja, fast keine...
Orkus: Wie hast Du die letzten zwei
Jahre denn so verbracht, und wann hast Du mit den Aufnahmen zum neuen
Album begonnen? |
| Clan Of Xymox
Bunt wie ein Regenbogen (c)
Zillo 10/2001 English translation will be coming soon! |
Nachdem es um den Clan
of Xymox viele Jahre recht ruhig war, setzen sie im neuen Jahrzehnt zu
einem ungebremsten Veröffentlichungseifer an. nach dem grandiosen
Comeback "Creatures", einem nahezu magischen Live- Album und dem
Re- Release der Demoaufnahmen auf "Subsequent Pleasures" zieht
Ronny nun einen Querschnitt durch die musikalische Landschaft, die er seit
fast 20 Jahren maßgeblich mit geprägt hat. "Notes From The Underground" ist ein klassisches Xymox- Album voller Melancholie und Pathos. Und trotzdem klingt es so vielseitig wie keiner seiner Vorgänger. Ganz im Gegenteil, es wirkt direkt zeitgemäß. Diesem neuen Facettenreichtum soll auf den Grund gegangen werden. Also wähle ich eine Amsterdamer Nummer und habe schon wenig später die ruhige, sympathische Stimme von Sänger Ronny Moorings am anderen Ende der Leitung. Zillo: "Hallo Ronny, hier ist das Zillo Magazin aus Germany. Ich höre gerade deine neue CD in Endlosschleife. Und ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert. Vor allem die stilistische Vielfalt hat es mir angetan. Auf "Notes From The Underground" hört man klassischen Gothic, Wave- Pop, Synthie- Sounds, aber auch raue elektronische Spielereien. Sind das all die Eindrücke, die du im Untergrund gesammelt Hast?" Ronny: "Nein, das nicht unbedingt. Die "Notes" sind einfach diese verborgenen Wurzeln, die ich habe. Wenn ich einen Song schreibe, gebe ich zwangsläufig viel von mir preis. Zum Beispiel Probleme, die mich gerade beschäftigen. Aber auch meine Sichtweisen über das Leben und die Welt , in der ich lebe.. Und die ist in meinem Fall einfach etwas düsterer." ... gibt er mir mit einem amüsierten Lachen zu verstehen..." all diese Eindrücke verstecke ich in meinen Songs. Und je nachdem wo die emotional liegen, fallen meine Lieder aus." Zillo: "Es fällt auf, dass du mehr als je zuvor elektronische Klänge verarbeitest. Besonders diese kratzenden Störgeräusche, die unter anderem über den Stücken "Innocent" und "I Want You Now" liegen, sind ja nun völlig neu in eurem Klangbild.." - schon wieder dieses Lachen: ich wusste gar nicht, dass Ronny so ein heiterer Zeitgenosse ist - "Warum unterbrichst du die Harmonie der Songs so rabiat?" Ronny: "Weil es mir gefällt. Clan of Xymox gibt es nun schon so lange. Und natürlich entwickelt sich eine Band auch weiter. Schließlich verändert sich die Musik insgesamt und damit natürlich auch der eigene Geschmack. Ich lege keinen besonderen Wert darauf, mich ständig zu wiederholen und am Ende selbst zu kopieren. Das langweilt mich, und vor allem würde es unsere Fans langweilen. Deshalb experimentieren wir mit neuen Soundelementen und beobachten dabei, wohin wir uns entwickeln." Zillo: " Das schwarzromantische Lied "Internal Darkness" passt sehr gut in den Zeitgeist. "Sunshine I wait for don't you can rise... moonlight come and shine through the night." Der schlichte Text erweckt mit seiner liebenswerten Naivität den Eindruck, als würde ein junger Mensch gerade voller Faszination seine eigene dunkle Seite entdecken. Fühlst du immer noch genauso, nach so langer musikalischer Aktivität?" Ronny: " Ich versuche die dinge zwar immer neu zu betrachten, aber ich kann natürlich nicht einmal so und ein andermal so denken. Ich habe meine eigenen Denkweisen über die Dinge, und die haben sich im Laufe der Jahre nicht so gravierend verändert. Insofern bin ich immer ein bisschen eingeschränkt, wenn es ans Schreiben neuer Texte geht. Meine Gefühle sind dieselben geblieben und fließen in jeden neuen Song mit ein." Zillo: "Das Album ist geprägt von Ängsten und bedrückenden Gefühlen. In einigen Stücken klingt dagegen wieder viel Harmonie und Optimismus durch. Das macht sich natürlich vor allem in der musikalischen Umsetzung bemerkbar. Was ist deine persönliche Definition von Licht und Finsternis?" Ronny (schon wieder höchst amüsiert): "Meinst du damit den Gegensatz von Gut und Böse? Nun, in erster Linie ist meine Musik wohl sehr düster. Dafür stehen die schweren Melodien. Und das Bedrohliche und eben manchmal auch das Böse - das kommt auf die jeweilige momentane Empfindung an - ist gewissermaßen in den Sounds versteckt. Sie bauen sich oft aus einer Beklemmung heraus auf und erzeugen so eine finstere Grundstimmung. Ich mag diese düsteren Sachen einfach unheimlich gern. Dagegen stehen aber natürlich auch wieder positive Sichtweisen und die treten in meinen Stücken unter anderem in Form optimistischerer, freundlicherer Melodien gegen die bedrohliche Stimmung an." Zillo: " Ein besonders eindrucksvolles Stück ist das fast 9 Minuten lange "Anguish". Dieses Opus wird durch das lauernde Bassspiel immer wieder neu aufgebaut und gipfelt mehrmals in einem verzweifelten Zusammenbruch. Was hat dieses unbeschreibliche Leid, das du in dem Song vermittelst, ausgelöst?" Ronny (lacht, als hätte er genau diese Frage erwartet): In "Anguish" habe ich meine Seele mal richtig ausgeschüttet. Während ich den Song geschrieben habe, sind eine Vielzahl verschiedenen Empfindungen und unterdrückter Gefühle aufgekommen und schließlich miteinander verschmolzen.." Das hört man. man spürt förmlich, wie eine Empfindung nach der anderen von ihm Besitz ergreift und er machtlos dagegen ankämpft. "Die ausufernde musikalische Umsetzung drückt diesen schmerzhaften Prozess sehr gut aus." Zillo: "'Notes From The Underground' ist mit 66 Minuten ungewöhnlich lang. Meiner Meinung nach hätte es dem Gesamteindruck des Albums aber besser getan, auf den einen oder anderen Track zu verzichten. Denn so verschwinden die wirklichen Perlen in unnötiger Füllmasse und verwässern die Wirkung etwas. Warum habt ihr euch nicht ein bisschen reduziert?" Ronny: "Eigentlich besteht das Album auch nur aus 10 Songs. Track 11 und 12 sind gewissermaßen Bonussongs. Und da die meisten Stücke sehr lang sind, (Anm. d. Verf.: Kaum ein Lied dauert weniger als fünf Minuten) wollten wir auch ein bisschen Abwechslung drin haben. Das war beim Vorgänger "Creatures" anders, weil wir da nach einer klaren Linie vorgegangen sind. Ein weiteres Argument spricht für die Länge: Ich finde, unsere Fans haben das Recht, für ihr Geld einen adäquaten Gegenwert zu erhalten. Der bedeutet einerseits hohe musikalische Qualität, aber andererseits auch, das man nicht in der Quantität geizt." Zillo: "Du hast eben schon erwähnt, das die letzten beiden Stücke als Bonus zu verstehen sind. Ich finde, dass gerade das vorletzte Instrumental 'Mysterium' ein sehr schönes Extro gebildet hätte. Die isolierte Atmosphäre erinnert mich an die legendären B-Seiten von Davis Bowies Berlin- Triologie." ( Durch die Leitung tönt ein süffisant- geschmeicheltes "Hmmmm")... Ronny: "'Mysterium' ist gar nicht für dieses Album entstanden, sondern schon vor etwas längerer Zeit. Wir wollten es unseren Hören aber nicht vorenthalten, darum haben wir es mit raufgenommen. Wir leiten zwar mehrere Songs durch eine Art Intro ein, aber eigentlich ist es das einzige echt Instrumental- Stück. Und dadurch fällt es etwas aus dem Rahmen, genau wie das folgende 'The Same Dream', das ja wiederum sehr tanzbar ist. Wie gesagt: Eigentlich endet "Notes From The Undergriund" mit "Something Wrong". ... Clan of Xymox haben wieder einmal bewiesen, dass man auch nach langjähriger musikalischer Präsenz immer noch Akzente setzen kann. Da bleibt mir nur, mit Spannung darauf zu warten, wie das neue Material auf der Bühne inszeniert wird- und mich bei meinem netten Gesprächspartner zu bedanken, dass er mir für meine Fragen Rede und Antwort gestanden hat. |