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Es ist eine interessante Tatsache, dass
die Gesellschaft jedes Jahrzehnts speziellen, ihr eigenen Strömungen
unterliegt: in den Siebzigern waren's die Hippies und Discotorte mit einer
Mode, die ich nicht mal als Putzlappen benutzen würde, in den Neunzigern
die Raver, Grunger und Brit- Popper- gemeinsam ist ihnen vor allem, dass
sie die Trends der jeweils vorherigen Dekade ablehnten oder sogar
belächelten. Doch alles bahnt sich irgendwann den Weg zurück ( man
sieht's am 70ies- Revival Anfang der 90er). Jetzt, wo sich unser Jahrzehnt
langsam dem Ende nähert und die letzten Lacher verklungen sind, drängt
sich die Frage auf, ob die verträumten 8oer, die große Epoche des New
Wave, vor einem Comeback stehen. Nicht nur, dass reihenweise Stars der New
Romantic- Ära mit neuem Material an die Tür klopfen, auch einige Wave-
Heroen raffen sich derzeit wieder auf. Der Holländer Ronny Moorings
gehörte mit seinem Clan of Xymox in den 80ern zu den Thronhaltern der
Szene, ehe er sich mit zwei mittelmäßigen Dancefloor- Scheiben in
Vergessenheit spielte. Nach vierjähriger Pause kehrt er nun zurück, um
zu einem neuerlichen Triumphzug anzusetzen. Mal ehrlich, wie viel Alben
bringt die alljährliche Veröffentlichungsflut, denen es gelingt, von
Anfang bis Ende ein entsprechend hohes Niveau zu halten? Wie viele Alben
werfen einen Hit ab und neun Stücke, die versuchen diesen zu kopieren?
Wie viele Alben muss man zehn Mal durchhören, um die einzelnen Tracks
überhaupt voneinander unterscheiden zu können ? Clan of Xymox
präsentieren auf "Hidden Faces" 13 melancholische Songs voll
ausgefeilter Schönheit- hier sitzt jeder Ton, packt jede Melodie. Jeder
Track offenbart, verstärkt durch Ronny's unwiderstehlich sehnsuchtvollen
Gesang, eine bestechend atmosphärische und emotionale Dichte. Am
Bemerkenswertesten ist jedoch die stilistische Vielfalt und die gelungene
Integration von elektronischen Elementen in die gitarrenlastigen Songs.
"Hidden Faces" ist ein Streifzug durch beinahe 15 Jahre Xymox-
Historie und deckt vom treibenen Power- Wave ( wie die aktuelle Single
"Out Of The Rain" und die kommende "Sing a Song")
über groovende Pop-Songs ("This World") und düstere Balladen
("It's All A Lie") bis hin zu Industrial-lastigen ("Going
Round") und oper- ähnlichen ("November Song") Stücken so
ziemlich jeden musikalischen Bereich ab.
(c) Orkus 1997/ Dennis Wollnik
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Clan of Xymox sind New Wave -Geschichte. In
Stichworten: Das selbstbetitelte Debüt der Holländer sowie der
Nachfolger "Medusa" sind heiß gehandelte Klassiker, die beim
Major Polygram unter dem Bandnamen Xymox erschienene Langrille "Twist
Of Shadows" verkaufte mehr als 300.000 Einheiten. Als 1991
"Phoenix" nicht an diese Erfolge anknüpfen konnte, wurde es
ruhig um die Band. Nur Mastermind Ronny machte weiter, experimentierte, in
London lebend, an einer Mixtur aus Wave und Rave, bevor auch er sich auf
eine Pause besann.
Nach vier Jahren kehrt er nun mit altem Namen, aber neuer Band und vor
allem mit neuem Elan zurück, mit dem er "Hidden Faces" zur
zeitgemäßen Fortführung der beiden ersten Alben macht. Wie so oft hatte
man nach dem großen Erfolg Eingängigkeit der Originalität
geopfert, die gelungene und ( man wusste es damals noch nicht)
zukunftsweisende Synthese aus Gitarren und Elektronik verwässert. Diesen
Fehler, so scheint's, will er dieser Tage tunlichst vermeiden. Dazu muss
er an das Rezept von damals anknüpfen, aber zugleich auch Flagge für
zeitgemäße Neuerungen zeigen. Dieser Balanceakt dürfte ihm gelungen
sein, wie nicht nur die 97er Version des Klassikers "Going
Round" (von der ersten EP "Subsequent Pleasures") beweist.
Songs wie "Out Of The Rain" sprühen nur so vor Tatendrang,
Wave- Gitarren können plötzlich wieder jubilieren und in Stücken wie
"This World" stimmt auch wieder das Verhältnis zwischen
sphärisch- melancholischen Elektronikteilchen, dampfenden Refrains und
schweißtreibender Rhythmik. Welcome back für ein weiteres
"schwarzes Schaf".
(c) Zillo 1997/ Joe Asmodo
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Nach den letzten, eher Dancefloor-
orientierten Xymox- Veröffentlichungen hätte ich eigentlich nicht
erwartet, dass Mastermind Ronny Moorings jemals wieder einen Song wie
"Out of the Rain" schreiben würde. Obwohl das Songwriting über
all die Jahre eine gewisse Unverkennbarkeit behalten hat, liegen zwischen
der musikalischen Umsetzung der 4ad- Alben und dem letzten, inzwischen
vier Jahre zurückliegendem Werk "Headclouds", Welten. "Out
of the Rain" ist eine nostalgische Rückbesinnung- ohne sich dabei
selbst zu kopieren- auf alte Stärken, die den Xymox- Sound Mitte der 80er
geprägt haben und diese Band zu einem der wichtigsten Vertreter der Wave-
Szene gemacht haben. Was jedoch viel entscheidender ist: "Out of the
Rain", dem man die Produzententätigkeit von Dave M. Allen (Chameleons,
Sisters, Cure) deutlich anhört, ist einfach ein tolles Stück, das alles
beinhaltet, was einen potentiellen Hit ausmacht- eine sagenhafte Melodie,
die sich schon beim ersten Hören unauslöschlich in die Gehörgänge
gräbt, dynamisches Gitarrenspiel, das den Song zwar vorantreibt, ihm aber
nicht seine verträumte Verspieltheit nimmt, und Ronnys emotionaler
Gesang, der die Xymox- typische Melancholie verströmt. Mit einer neuen
'Interpretation' des Klassikers 'Going Round' findet sich noch ein
weiterer höchstbemerkenswerter Track auf dieser Maxi, der eine ganz
erhebliche Tanzflächentauglichkeit besitzt. Versprühte das Original von
1984 den eher spröden Charme einer Demo- Aufnahme, kommt die 97er Version
mit einer erstaunlichen elektronischen Härte und leicht verzerrtem Gesang
um die Ecke. Das düstere Instrumental 'Flatlands' rundet diesen
Silberling mit elegischen Pianoklängen und schwermütigen Violinenparts
äußerst gelungen ab. Leider erst im Herbst erscheint das neue Album 'Hidden
Faces', doch ich scheue mich nicht, bereits jetzt vom Comeback des Jahres
zu sprechen- wer sich das entgehen lässt, ist selber schuld!
(c) Orkus 1997/ Dennis Wollnik
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